Frage und Antwort: Statistische Werte, ungedeckte Schäden

3. Juni 2013, 19:23
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Was ist ein hundertjährliches Hochwasser, was eine Katastrophe? Wie hoch sind die Schäden, die der Dauerregen verursacht hat, und weshalb müssen viele Betroffene diese selbst bezahlen? Hier gibt es die Antworten

Frage: Was ist ein hundertjährliches Hochwasser?

Antwort: Ein Hochwasser, das in einem Zeitraum von 1000 Jahren zehnmal vorkommt, also statistisch alle hundert Jahre. Es kann aber auch eng hintereinander auftreten. Für Wien liegt die 100-Jahres-Marke bei 7,9 Metern.

Frage: Warum ist Wien nicht betroffen?

Antwort: Der Wiener Hochwasserschutz, der aus Entlastungsgerinne und Donauinsel besteht, ist auf eine Durchflussmenge von 14.000 Kubikmetern pro Sekunde ausgelegt: ein Wert, der statistisch gesehen ein Mal in mehreren Tausend Jahren eintritt. Am Montag wurde eine Durchflussmenge von 8490 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Der Pegelstand betrug bei Korneuburg 7,2 Meter.

Frage: Ab wann ist offiziell von einer Katastrophe die Rede?

Antwort: Wenn es sich um ein Ereignis handelt, bei dem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen, die Umwelt oder bedeutende Sachwerte in außergewöhnlichem Ausmaß gefährdet sind. So legt es Ö-Norm S2304 fest. Die Zentrale des Krisenstabes ist im Innenministerium installiert.

Frage: Sind Zwangsevakuierungen möglich?

Antwort: Bei Katastrophenalarm haben die Behörden die Möglichkeit, eine Zwangsevakuierung von Gebäuden anzuordnen. Ob diese auch umgesetzt werden kann, liegt an der jeweiligen Situation.

Frage: Wie hoch sind die Schäden durch das Hochwasser?

Antwort: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen. Die Regierung geht davon aus, dass die Schäden höher sein werden als 2002. Damals entstand laut Daten der VAV-Versicherung ein volkswirtschaftlicher Verlust von rund drei Milliarden Euro - von Versicherungen gedeckt waren jedoch lediglich 420 Millionen Euro.

Frage: Warum bezahlen Versicherungen den Schaden nicht zur Gänze?

Antwort: Das Problem ist, dass viele Privathaushalte unzureichend oder gar nicht gegen Hochwasser versichert sind. Wer in einem Gebiet mit hohem Risiko wohnt, hat zudem kaum Chancen dazu. Doch auch wenn eine Hochwasserversicherung besteht, leisten Versicherungen meist nur beschränkt Schadenersatz: Oft beträgt die Deckungssumme nur wenige Tausend Euro. Dadurch müssen Betroffene den Großteil selbst bezahlen. Höhere Deckungen sind zwar möglich, aber teurer.

Frage: Was passiert, wenn man wegen der Flut den Arbeitsplatz nicht erreichen kann?

Antwort: Dann liegt ein Dienstverhinderungsgrund vor. Ein Entlassungsgrund ist das nicht. Wer wegen des Hochwassers nicht zur Arbeit kommen kann, hat als Angestellter keine finanziellen Konsequenzen zu fürchten. Arbeiter haben nur dann Anspruch auf Entgeltfortzahlung, wenn dies im Kollektivvertrag nicht ausgeschlossen ist. (DER STANDARD, 4.6.2013)

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