Argumente für die Regenbogenfamilie

Leserkommentar3. Juni 2013, 16:33
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Wie Vorurteile gegenüber der Eheöffnung und der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare entkräftet werden können

In letzter Zeit häufig gehörte Vorwürfe zum Thema Eheöffnung und Regenbogenfamilien, etwa hier, haben mich zu diesem Text inspiriert. Hier einige Argumente und die Auseinandersetzung damit aus queer-feministischer Sicht.

1. Unterstützer der Homo-Ehe zielen darauf ab, die Institution der Ehe zu untergraben beziehungsweise die traditionelle Kernfamilie als unattraktiv darzustellen. Regenbogen- beziehungsweise Patchworkfamilien gelten als "in", während die traditionelle Kernfamilie als altmodisch geschmäht wird.

Falsch. Es geht nicht um Fragen von Mode oder darum, besser sein zu wollen. Die traditionelle Familie ist eine gute Sache und soll erhalten bleiben, aber auch Homosexuelle möchten rechtliche Absicherung für ihre Partnerschaft und Familie genießen. Das ist im Übrigen ein Wunsch, der im Grunde sehr konservativen Werten von gegenseitiger - idealerweise lebenslanger - Verantwortung entspringt. Niemand ist an einer Abwertung der traditionellen Familie interessiert, aber Regenbogenfamilien gibt es bereits, und diese bedürfen der gleichen Sicherheit garantierenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.

2. Kinder brauchen einen Vater und eine Mutter

Kinder brauchen Liebe, Zuwendung und Vertrauen in ihre Eltern. Eine über 30 Jahre hinweg betriebene Studie des Committee on Psychosocial Aspects of Child and Family Health hat bewiesen, dass es Kindern schwul-lesbischer Eltern an nichts fehlt und sie sich genauso gesund entwickeln wie Kinder aus Hetero-Beziehungen. Einzig die rechtliche Unsicherheit, der Regenbogenfamilien ausgesetzt sind, wurde in der Studie als Nachteil und Stressfaktor betont.

Außerdem: Argumente in Richtung Rollenvorbild oder "Spannungsverhältnis der Geschlechter" beruhen auf stereotypen Geschlechtsvorstellungen und der Annahme, Kinder müssten ihr jeweils richtiges Geschlechtsverhalten lernen. Das ist aber ein Irrtum. Es gibt nicht die eine richtige Art und Weise, ein Mann beziehungsweise eine Frau zu sein, und ein liebevolles und aufgeschlossenes Elternhaus gibt Kindern das Vertrauen und die Stabilität, ihr eigenes Wesen zu entdecken und zu entwickeln.

3. Kinder haben es schwer

Kinder aus Regenbogenfamilien haben es schwerer, da sie von ihren Mitschülern als anders wahrgenommen werden und dadurch verstärkt Anfeindungen ausgesetzt sind. Kinder in eine solche Situation zu bringen ist von den Eltern unverantwortlich.

Wir sollten nicht Angst die Motivation für unsere Taten sein lassen. Kinder mobben sich untereinander für alles mögliche, aber das Ziel sollte sein, das Mobbing zu beenden, und nicht, sich diesem unterzuordnen. Erziehen wir unsere Kinder mit dem selbstverständlichen Wissen, dass es nun einmal verschiedene Familienformen gibt und diese Kinder ebenso wenig angefeindet werden sollen wie Kinder mit anderer Hautfarbe oder anderem ethnischem Hintergrund.

4. Eine Minderheit diktiert der Mehrheit ihr Nischenthema

Falsch, sondern die Mehrheit erkennt, dass sie nichts zu verlieren hat, wenn sie einer Minderheit mehr Rechte zugesteht. Ich muss keine Ausländerin sein, um gegen Xenophobie zu sein, keine dunkle Hautfarbe haben, um gegen Rassismus zu sein, und nicht homosexuell sein, um gegen Homophobie zu sein.

5. Die Natur sieht das nicht vor

Homosexuelle können auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen und sollen daher auch keine haben. Das ist von der Natur nicht vorgesehen.

Es gibt auch heterosexuelle Menschen, die ohne die Hilfe der modernen Medizin keine Kinder bekommen können. Vielleicht sollten sich ja auch diese nicht fortpflanzen können? Die Natur wird sich schon etwas dabei gedacht haben, oder? So gut wie nichts ist an unserem modernen Leben mehr natürlich, und Unnatürlichkeit ist nicht per se ein Grund, etwas nicht nicht zu tun, sondern es muss auch ein tatsächlicher Schaden entstehen, und das ist bei Regenbogenfamilien einfach nicht der Fall (außer natürlich, man empfindet eine offenere, vielfältigere Gesellschaft als Schaden).

6. Die Ehe ist nun einmal eine Verbindung zwischen Mann und Frau

Dazu gibt es nicht viel zu sagen, außer dass Menschen die Ehe geschaffen und definiert haben und sie daher auch bei Bedarf neu definieren können. (Theresa Raithofer, Leserkommentar, derStandard.at, 4.6.2013)

Theresia Raithofer (30) ist Literaturwissenschaftlerin und wohnt in Wien. Den vollständigen Artikel können Sie auf sugarbox.at finden.

Abstract der Studie des Committe on Psychosocial Aspects of Child and Family Health

Die vollständige Studie (PDF)

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