The Pretty Things: Die wilderen Stones

3. Juni 2013, 17:12
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1967 heckten die Pretty Things in den Abbey Road Studios die erste Rockoper aus - Ihren einzigen Österreich-Auftritt absolvieren sie im Chelsea

"They Could Have Been Bigger Than The Beatles" heißt eine Platte der TV Personalities. Wenn man Beatles durch Rolling Stones ersetzt, trifft es perfekt auf eine Combo zu, die genau wie Mick, Keith und Co heuer 50- Jahr-Bandjubiläum feiert: The Pretty Things wurden 1963 von Dick Taylor gegründet. Zuvor spielte er mit Mick Jagger und Richards bei Little Boy Blue And The Blue Boys.

Wie viele Protagonisten der frühen britischen Rockszene besuchte Taylor eine Kunsthochschule, an der sich die Pretty Things formierten. Benannt nach einem Song von Bo Diddley, verschrieb sich das Quintett einer kantigen Bearbeitung von R&B. Trotz einiger Single-Kracher fehlten große Hitparadenerfolge und Teenappeal. Ein weiterer Unterschied zu den Stones: Man hatte keinen gewieften Manager wie Andrew Loog Oldham, dessen PR-Kampagnen das Stones-Image der "bösen Buben" kultivierten.

Mehr Sympathie fanden die Things bei Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant oder den Psychedelicpunks der späten 1960er: Twink gehörte vor seinen Trips mit den Pink Fairies zur Band; Mick Farren (The Deviants) teilte sich mit den Pretty Things öfters die Bühne, wobei auf das Vor- und Hauptbandschema zugunsten eines anarchistischen Präpunkaktionismus verzichtet wurde.

1967 heckten die Pretty Things in den Abbey Road Studios die erste Rockoper aus: Auf S. F. Sorrow finden sich Stimmcollagen, Mellotron und primitive Elektronik. Überliefert ist zudem, dass neben Bowie auch John Lydons Mama ein Fan war: Die schleppte den späteren Sex Pistol bereits als Zwölfjährigen zu Gigs der Pretty Things. Kein Wunder also, dass die Combo um die Urschönheiten May und Taylor ihren einzigen Österreich- Auftritt im Chelsea absolviert. (dog, DER STANDARD, 4.6.2013)

Chelsea, Wien, 01/407 93 09, 21.30

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