Donau-Höchststand in Wachau ab 16.00 Uhr erwartet

4. Juni 2013, 14:46
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Donau vor Höchststand - Dämme in Niederösterreich werden verstärkt

Der Donau-Höchststand in der Wachau werde "ab 16.00 Uhr" erwartet, teilte der Hydrografische Dienst des Landes Niederösterreich Dienstagmittag mit. Der prognostizierte Wert beim Pegel Kienstock liege bei "10,80 bis 10,90 Metern" und damit vermutlich knapp unter jenem des August-Hochwassers 2002. Damals waren 10,90 Meter gemessen worden.

In Wallsee (Bezirk Amstetten) musste am Dienstag der Damm an der Donau mit "Big Packs" verstärkt werden. Dazu kam ab den Mittagsstunden ein Black Hawk-Hubschrauber des Bundesheeres zum Einsatz, teilte Philipp Gutlederer vom Bezirksfeuerwehrkommando mit. Es gehe darum, die Stabilität des Dammes zu gewährleisten.

Black Hawk steht bereit

Ein zweiter Black Hawk war laut Gutlederer "stand by" abgestellt. Die Flugdienstgruppe West der Feuerwehr wurde ebenfalls nach Wallsee beordert. Ein Hubschrauber des Innenministeriums führte Erkundungsflüge durch.

Die Feuerwehren haben während des herrschenden Hochwassersbisher 238 Menschen gerettet. Diese Zahl nannte Franz Resperger vom Landeskommando am Dienstag in einer Zwischenbilanz . Landesweit in Verwendung standen außerdem 380 Großpumpen und 220 Notstromaggregate.

Rund 3.000 Feuerwehrleute im Einsatz

Dienstag früh waren laut Resperger 177 Feuerwehren mit etwa 3.000 Mitgliedern wegen des Hochwassers im Einsatz. Dabei waren auch acht Katastrophenhilfsdienstzüge aufgeboten, deren Zahl sich im Laufe des Tages jedoch noch erhöhen werde, kündigte der Sprecher an.

Die Donau in Niederösterreich ist am Dienstag vor ihrem Höchststand gewesen. Laut Prognose sollte mit 10,90 Metern beim Pegel Kienstock in der Wachau am frühen Nachmittag der selbe Wert wie beim August-Hochwasser 2002 erreicht werden. Kurz nach 8.00 Uhr wurden der Homepage des Landes zufolge 10,62 Meter gemessen.

Hotspot im Bezirk Krems

Einen "Hotspot" gab es seit den frühen Morgenstunden in der Gemeinde Mautern (Bezirk Krems). Dort war im Ortsteil Hundsheim vermutlich unter der Schutzwand Wasser eingedrungen, berichtete Matthias Fischer vom Landesfeuerwehrkommando. Eine Rohrdurchführung dürfte nachgegeben haben. Eine Kleingartensiedlung wurde überflutet. Die Feuerwehr musste mit Großpumpen ausrücken. Auch ein Zug des Katastrophenhilfsdienstes stand im Einsatz. Laut Fischer wurden 1.500 Kubikmeter Wasser pro Stunde über den Damm in die Donau zurückgepumpt. Die Lage sei unter Kontrolle.

Dürnstein war laut Bezirkskommando Krems nur mehr per Bahn und für Einsatzfahrzeuge erreichbar. Die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde wurde wegen des Hochwassers außer Betrieb genommen, sagte Fischer. An der Einmündung der Krems in die Donau wurde der Damm verstärkt und die Krone mit Sandsäcken erhöht.

Einsatzkräfte rudern über den überfluteten Hauptplatz von Melk, Wachau

Schutz in Krems-Stein vorbereitet

Der Hochwasserschutz in Krems-Stein ist laut Bezirksfeuerwehrkommando auf den Höhepunkt der Flut vorbereitet, der am Dienstagnachmittag erreicht werden soll. Der hohe Wasserstand werde bis in die Nachtstunden konstant bleiben. Die Schutzwand werde laufend kontrolliert. "Kleine Wasserdurchtritte stellen keine Gefahr dar, dieses Wasser wird von den Pumpwerken weggepumpt."

Aufgrund der Prognosen könne ein Übertritt der Donau im Ortsteil Stein weiterhin nicht ausgeschlossen werden, so die Feuerwehr. Fahrten in das Hochwassergebiet sollten unbedingt unterlassen werden. "Die wenigen Umleitungsstrecken sind verkehrsmäßig bereits überlastet, die Einsatzkräfte benötigen die Verkehrsflächen dringender."

Gefahr für Melker Hochwasserschutz

Nicht zuletzt wies die Feuerwehr auch darauf hin, dass Informationen zur Hochwasserlage ausschließlich auf den offiziellen Seiten der Landesregierung, den Seiten der Führungsstäbe, der Stadt Krems und der FF Krems zu finden seien. "Bitte ignorieren Sie die diversen Facebookgruppen, die sich derzeit als Hochwasser- Trittbrettfahrer etablieren."

Laut Informationen von DER STANDARD wird der gerade in Bau befindliche Hochwasserschutz in Melk schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das 10-Millionen-Euro-Projekt war erst im März begonnen worden und hätte bis Jahresende fertiggestellt sein sollen.

 

Diese Luftaufnahme vom Montag zeigt das Ausmaß der Überschwemmungen bei Schloß Schönbühel.

Klosterneuburg und Korneuburg: Siedlungen evakuiert

In der Nacht auf Montag evakuierten die Einsatzkräfte auch die Stelzenhaus- und Schrebergärtner-Siedlungen im Augebiet bei Klosterneuburg und Kritzendorf. Die Bewohner wurden aufgefordert, sich und ihre Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen. Inzwischen haben die Behörden die Stromversorgung für das betroffene Gebiet aus Sicherheitsgründen gekappt.

Auch in Korneuburg, auf der gegenüberliegenden Uferseite, ist es am Montag zu hochwasserbedingten Evakuierungen gekommen. Bewohner mussten auf Veranlassung der Polizei eine Siedlung verlassen, berichtete die Feuerwehr. Zuvor war eine ältere Frau per Zille geborgen worden.

Aufgrund des Hochwasseralarms veranlasste die Exekutive um 13.09 Uhr die Evakuierung der "Werftkolonie", so die FF Korneuburg in einer Aussendung. Kräfte der Feuerwehr und Beamte der Polizeiinspektion waren am frühen Nachmittag damit beschäftigt, die Bewohner in Sicherheit zu bringen.

Bereits gegen Mittag gab es eine Menschenrettung im Bereich Tuttendörfl. Eine Bewohnerin eines Hauses nahe des Agrarspeichers hatte bis dahin trotz Hochwasserwohnung den Gefahrenbereich nicht freiwillig verlassen wollen, so die FF Korneuburg. Sie wurde letztlich gemeinsam mit Beamten der Polizei "überredet". Neben dem notwendigsten Hab und Gut musste auch eine Hauskatze mittels Feuerwehrzille vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden.

Kraftwerke Ybbs, Melk außer Betrieb

Die Kraftwerke Ybbs und Melk wurden abgedreht. Dadurch erbringt der Verbund aus neun Donaukraftwerken derzeit nur zwei Drittel der üblicherweise 2.000 Megawatt (MW) Leistung.

Für die Erzeugung von Wasserkraftstrom ist das Gefälle entscheidend, das sich bei Hochwasser verringert. Wenn es zu viel Wasser gibt, werden die Maschinen stufenweise abgestellt. (red, derStandard.at, 4.6.2013)

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