Nach tödlichem Biber-Biss: Experte appelliert an Vernunft

3. Juni 2013, 18:10
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Mitarbeiter eines Projekts zur Auswilderung von Bibern weist darauf hin, dass der Vorfall in Weißrussland äußerst ungewöhnlich, wenn auch nicht überraschend war

In der vergangenen Woche gingen zwei Fotos im Doppelpack durch die Medienlandschaft: Obiges, das einen Biber in einem Teich nahe dem weißrussischen Dorf Lovtsevitschi zeigt. Und eines von einem menschlichen Leichnam mit aufgeschlitztem Oberschenkel. Der Hintergrund: Ein 60-jähriger Fischer hatte versucht, den Biber zu fangen, um mit ihm für ein Foto zu posieren. Der Biber wehrte sich natürlich gegen das, was für ihn ein Angriff war, biss zu und erwischte dabei zufällig die Oberschenkelarterie des Fischers. Der Mann verblutete. 

... ein sehr ungewöhnlicher Fall. In der Berichterstattung waren dennoch Anzeichen einer gewissen Dämonisierung unverkennbar. Nicht nur, dass auf die "rasiermesserscharfen Zähne" des Nagetiers hingewiesen wurde, zumeist wurde der Vorfall auch als "Biber-Attacke" dargestellt. Und auch der an sich erfreuliche Umstand, dass sich die Bestände des einstmals in Europa beinahe ausgerotteten Tiers seit einiger Zeit wieder erholen, wurde in ein neues Licht gerückt. "Biber-Plage fordert erstes Todesopfer" titelte gar die "Welt". Impliziert wird: noch mehr sind zu erwarten.

Zusammenleben mit Bibern

Die sich abzeichnende Hysterisierung der Debatte rief nun einen Experten auf den Plan. Simon Jones arbeitet beim Scottish Beaver Trial, einem Projekt zur Wiederansiedlung des Bibers in Großbritannien, wo die Spezies seit 400 Jahren ausgerottet war; durch das Projekt gibt es mittlerweile wieder eine kleine Population im Westen Schottlands.

Im Wissenschaftsmagazin "New Scientist" weist Jones nicht nur auf die Erfolge solcher Wiederansiedlungsprojekte in zahlreichen europäischen Staaten (darunter auch Österreich), sondern auch auf die ökologische Bedeutung des Bibers hin. Jones räumt ein, dass die Dammbauten von Bibern und dadurch ausgelöste Überschwemmungen manchmal in Konflikt mit menschlichen Landnutzungsplänen geraten können und dass dann gegebenenfalls eingeschritten werden muss; sprich: Dämme abgerissen.

Das sei aber auch schon das einzige Problem mit Europas größtem Nagetier. Biber sind scheu und flüchten vor Menschen ins Wasser - nur wenn man sie in die Enge treibt, können sie auch zubeißen. Der weißrussische Fischer habe einfach nur die letzte Verteidigungslinie des Tiers überschritten, so Jones. Der Fall sei daher tragisch, aber auch höchst ungewöhnlich.

--> New Scientist: "Beavers are born to bite wood, not people"

(red, derStandard.at, 3.6.2013)

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