Tablet-Boom: PC-Riesen müssen umdenken

3. Juni 2013, 09:22
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Microsoft und Intel wollen Branche "neu erfinden", um am Ball zu bleiben

Für PC-Hersteller ist der Trend zu mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets zum Kampf ums Überleben geworden. Noch nie wurden so wenige Desktops und Notebooks verkauft wie in den vergangenen Monaten. Um sich an den Markt anzupassen, wollen die PC-Riesen der Branche nun mit geringeren Preisen und besserer Energieversorgung punkten.

Neue Geschäftsfelder

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sollen Hybrid-Laptops zukünftig deutlich billiger werden. Noch dieses Jahr sollen die Preise für Notebooks bei einigen Herstellern um bis zu 50 Prozent sinken. Zusätzlich sollen diese "Convertibles" deutlich schlanker werden. Neue Geschäftsfelder und eine Anpassung an die Wünsche der Konsumenten ist der nächste Schritt. Viele Hersteller wollen nun vor allem kleinere Tablets auf den Markt bringen, die preistechnisch unter Apples iPad Mini liegen.

Konkurrenzfähige Preise

Einige Hersteller, wie beispielsweise Acer, haben bereits ihr Interesse an den Mini-Tablets deutlich bekundet. Der Hersteller will laut "Engadget" schon bald ein 8-Zoll-Tablet auf den Markt bringen, das mit Microsofts neuestem Betriebssystem Windows 8 läuft. Als Draufgabe bietet Acer eine kostenlose Version von Office und eine zusätzliche Tastatur um 69 Euro. In der Standardausführung mit 32 Gigabyte soll das Iconia W3 329 Euro kosten – ein durchaus konkurrenzfähiger Preis.

Preisniveau anpassen

Besonders angetrieben werden die Veränderungen in der PC-Branche von Microsoft und Intel. Gerade diese beiden Unternehmen sind vom Boom der mobilen Geräte und dem damit einhergehenden Überlebenskampf betroffen. Microsoft-Manager Kevin Turner spricht davon, dass sich die Branche angesichts der Realität neu erfinden müsse. Dazu gehört bei Microsoft vor allem auch, Herstellern Software wie Windows und Office deutlich günstiger anzubieten. Geräte sollen dadurch billiger und attraktiver werden. Angepeilt werden Preise von 300 US-Dollar für Touch-Screen-Laptops und 200 US-Dollar für kleine Tablets. Microsoft rechnet damit, dass die Preisreduktionen Touch-Geräte mit Windows für Kunden interessanter machen werden und der Marktanteil dadurch steigen wird. Noch am Montag soll während der Computex in Taiwan das ein oder andere Gerät in dieser Kategorie vorgestellt werden.

Intel rüstet sich mit neuen Chips

Intel hingegen will Prozessoren bereitstellen, die eine Akkulaufzeit von einem ganzen Tag bieten sollen. Tablets, Phablets und Smartphones gehören zur neuen Produktkategorie, auf die sich Intel in nächster Zeit konzentrieren will. Konkurrent ARM liegt hier eindeutig vorne, vor allem was Preise betrifft. Neben Windows will der Chip-Hersteller Intel in Zukunft seinen Fokus auch auf Geräte legen, die mit Googles mobilem Betriebssystem Android laufen. So soll Samsungs Galaxy Tab 3 Linie mit einem Intel-Chip ausgestattet sein, wie das Wall Street Journal von einem Insider erfahren hat.

Gerade noch rechtzeitig

Besonders Intels Bestreben, Chips herzustellen, die sowohl schlanke Designs als auch lange Akkulaufzeiten ermöglichen sollen, könnte sich für das Unternehmen auszahlen. Die neuen Haswell-Chips sollen beispielsweise 50 Prozent weniger Strom verbrauchen als ihre Vorgänger. Damit könnte der Ultrabook-Sektor wieder einen Aufschwung erleben – erhofft sich zumindest Intel selbst. In diesem  Jahr sollen noch weitere neue Chip-Designs folgen, die aufgrund ihrer Energieeffizienz für Touch-Geräte mit Windows 8 optimiert sein sollen. Bei Acer sieht man offenbar jetzt schon positive Entwicklungen. Acer-Vorstand J.T. Wang meint, dass die Anzahl der Windows-8-Geräte im zweiten Quartal deutlich zugenommen hat. Die Strategie der ehemaligen PC-Giganten könnte also aufgehen, sofern alles nach Plan läuft. Wie der Markt darauf reagiert und ob die Kunden die neuen Angebote annehmen werden wie erwartet, wird sich erst in einigen Monaten sagen lassen. Klar ist allerdings, dass ein Umdenken in der PC-Branche gerade noch rechtzeitig erfolgt, um ein Desaster zu vermeiden. (red, derStandard.at, 3.6.2013)

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    Archivaufnahme von Microsoft-Gründer Bill Gates (rechts) und dem damaligen Intel-Vorstand Andy Grove (links)

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