Krebs-Früherkennung fristet Schattendasein

    3. Juni 2013, 08:13
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    Krebszellen tricksen das Immunsystem aus, Forscher arbeiten an Gegenstrategien

    Obwohl Epidemiologen schätzen, dass sich je nach Krebsart bis zu 90 Prozent der Todesfälle verhindern ließen, fristet die Früherkennung ein Schattendasein. Und so kommt es, dass Krebs unverändert die zweithäufigste Todesursache in Österreich ist. Die Gründe: Krebs wird zu spät entdeckt, streut in andere Organe und mindert die Wirkung von Therapien. "Je länger ein Tumor im Körper ist, umso mehr Strategien kann er entwickeln, um den Attacken zu entgehen", sagt Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

    Zellen verfügen über höchst komplexe Regulationsmechanismen. Sie steuern, wann eine Zelle sich teilt, ob sie stirbt, wie sie sich vor Attacken des Abwehrsystems schützt. In Tumoren sind all jene Prozesse auf Wachstum gestellt: Die Zelle teilt sich unentwegt, das Selbstzerstörungsprogramm ist abgeschaltet, und sie ist bestens gewappnet gegen die Versuche des Immunsystems, sich ihrer zu entledigen. " Wird nun einer dieser Prozesse durch Therapien gestoppt, sucht sich der Tumor neue Wege, um zu wachsen", so Trumpp. Je länger die Behandlung dauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Resistenzen entwickeln. Doch je größer der Tumor, desto länger die Behandlungsdauer.

    Dynamik von Resistenzen

    Die Ursache der Resistenzen liegt in Gendefekten. Je häufiger sich eine Zelle teilt, umso öfter schleichen sich Mutationen ein, die die Wirkung der Therapie zunichtemachen. "Mit Gentests können wir den Ursprungstumor recht genau charakterisieren, wie er sich aber über die Zeit verändert, bleibt bis zur Rückkehr eines Krebses oder der Bildung von Metastasen unentdeckt", erklärt Christoph von Kalle, Direktor für Translationale Onkologie am Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg.

    Dann aber ist es häufig bereits zu spät. Auch Kalle forscht an einem Bluttest, der Liquid Biopsy, wie sie derzeit beim Krebskongress Asco in Chicago diskutiert wird. Sie könnte künftig einen Ausweg bieten. Denn DNA-Fragmente von Zellen - auch von Krebszellen - schwimmen etwa 20 Minuten im Blut. Anschließend werden die Fragmente abgebaut. "Das bedeutet, dass die im Blut gemessene DNA Echtzeitinformation über genetische Veränderung liefern könnte", sagt Kalle und hofft, damit auch beginnende Resistenzen entdecken zu können. Noch sind einige Probleme zu lösen: "So lässt sich etwa noch nicht von der Menge der gemessenen DNA auf die Größe des Tumors schließen", sagt Kalle. Auch lassen sich keine Aussagen über den Erfolg einer Therapie treffen. Dennoch scheint der Weg vorgezeichnet: Die Forscher des Hamburger Unternehmens Inostics konnten nach eigenen Angaben, 700 Tage bevor ein wiederkehrender Tumor vom Arzt entdeckt wurde, seine Spuren im Blut messen. (Edda Grabar, DER STANDARD, 3.6.2013)

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