Mindestens 119 Tote bei Feuer in Geflügelfabrik in China

3. Juni 2013, 15:13
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50 Personen wurden verletzt - Für viele Arbeiter gab es kein Entkommen

Peking - Bei einer Brandkatastrophe in einer Geflügelschlachterei sind in China mindestens 119 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 50 wurden verletzt, wie die Regierung der Provinz Jilin in Nordosten des Landes am Montag mitteilte. Die Zahl der Opfer könnte so hoch sein, weil Türen verriegelt, Notausgänge zu schmal oder nicht beleuchtet waren, berichteten Einsatzkräfte und Augenzeugen. Nach amtlichen Angaben hatte eine Explosion von ausgetretenem Ammoniak das Feuer am Morgen in dem Betrieb der Jilin Baoyuanfeng Poultry Company in der Stadt Dehui ausgelöst.

Wie viele Menschen vermisst werden, war zunächst unklar. Nach unterschiedlichen Schätzungen könnten zwischen 200 bis 300 Arbeiter, vielleicht aber auch mehr in der Fabrik gewesen sein. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Xinhua von einem lauten Knall, schwarzem Rauch und Stromausfall. Rund 100 Arbeitern sei die Flucht gelungen. Mitglieder der Bergungstrupps schilderten, die komplizierte innere Struktur der Fabrikhallen und beengte Ausgänge hätten die Rettungsarbeiten erschwert.

Nur eine Tür war geöffnet

Nur ein Tor des Betriebes sei offen gewesen, berichteten Journalisten vor Ort. "Ja, nur eine Tür war offen - alle an der Unglücksstätte wissen das", sagte der Betreiber einer Nachrichtenwebseite telefonisch der dpa. Die anderen waren abgeschlossen. Ein Überlebender sagte dem Blatt: "Das Feuer brauchte nur drei Minuten, um sich in der Werkshalle auszubreiten." Er glaubt: "Weniger als 30 Arbeiter kamen raus."

"Ich wusste, dass die Feuertür verriegelt war, deswegen bin ich in die Halle mit der Federn-Sortierung gelaufen", sagte Arbeiterin Guo Yan der Nachrichtenagentur Xinhua. "Jeder rannte in diese Richtung", schilderte die 37-Jährige. "Es war überfüllt und die Leute fielen übereinander." Auch Guo Yan stürzte und kroch über den Boden. Ihr gelang letztendlich die Flucht. Vor dem Betrieb wartete die Arbeiterin, die nach eigenen Angaben etwa 2.000 Yuan (250 Euro) im Monat verdiente, auf Nachricht von vermissten Kollegen.

Häuser evakuiert

"Ich habe um sechs Uhr mit rund 100 anderen in meiner Halle mit der Arbeit angefangen", berichtete die 44-jährige Wang Fengya, die Brandwunden im Gesicht erlitten hatte. Es habe einen lauten Knall gegeben, gefolgt von dunklem Rauch, der sich verteilte. "Jemand rief "lauft!" und wir liefen schnell zum Ausgang, der 40 Meter von meinem Arbeitsplatz weg war", sagte die Arbeiterin. "Plötzlich gingen die Lichter aus und das Werk war dunkel."

Aus Angst vor weiteren Ammoniak-Lecks wurden die Häuser in einem Umkreis von 1.000 Metern um das Werk evakuiert, wie die Nachrichtenagentur China News Service berichtete. In dem großen Geflügelverarbeitungsbetrieb arbeiteten 1.200 Beschäftigte, laut Xinhua wurden jährlich 67.000 Tonnen Geflügelprodukte herstellt.

Dem Internet-Portal Baidu zufolge war es der verheerendste Brand in China seit zwölf Jahren. Damals starben durch ein Feuer in einem Einkaufszentrum im Zentrum des Landes 309 Menschen. In China kommt es immer wieder zu schweren Unglücken in Fabriken und Bergwerken. Kritiker machen Versäumnisse bei der Einhaltung von Vorschriften zur Arbeitssicherheit verantwortlich. (APA, 3.6.2013)

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    Das verheerende Feuer soll durch einen Kurzschluss ausgelöst worden sein.

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