Hypo-Aufseher Ditz vor Abtritt

2. Juni 2013, 20:37
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Auch nach dem Verkauf der Hypo-Österreich kehrt bei der Kärntner Problembank keine Ruhe ein

Nun machen Gerüchte über den Rücktritt von Aufsichtsratschef Johannes Ditz die Runde. In der Bank ist man über die Finanzministerin verärgert.

Wien – Bei der Kärntner Hypo Alpe Adria will und will keine Ruhe einkehren. In Bankkreisen ist man massiv verärgert über Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Wie berichtet, gab das Ministerium am Freitag bekannt, dass eigentlich doch bis Ende Juni Zeit gewesen wäre, ein Restrukturierungskonzept an die EU-Wettbewerbskommission zu schicken.

Zuvor war immer von Ende Mai die Rede, bankintern wurde deshalb mit Hochdruck an Konzepten und Rechenmodellen gearbeitet. Im Ressort wusste man "schon länger"  vom zusätzlichen Monat, wie ein Sprecher erklärte. "Das hat uns elegant zu mehr Zeit verholfen."  Dem Vernehmen nach waren auch Kanzler Werner Faymann (SP) und ÖVP-Chef Michael Spindelegger nicht über die konkrete Deadline Ende Juni informiert.

Der Aufsichtsrat der Hypo soll  jedenfalls gar nicht gut auf die taktischen Spielchen des Finanzministeriums zu sprechen sein. Laut Kronen Zeitung könnte Aufsichtsratschef Johannes Ditz bereits heute, Montag, von dieser Funktion zurücktreten.

Erreichbar war Ditz am Sonntag für den ­Standard nicht. In der Bank ging man nicht von einem sofortigen Rücktritt aus, hält diesen aber nur für eine Frage der Zeit. Genannt wird beispielsweise der 21. Juni. Dann findet die Hypo-Hauptversammlung statt. Und diese könnte Ditz für einen Abgang mit Paukenschlag nutzen, heißt es in Eigentümerkreisen.

Möglich wäre ein Rücktritt aber auch bei der Aufsichtsratssitzung morgen, Dienstag. Bei diesem Termin soll eigentlich jener Grobplan diskutiert werden, den Fekter am Freitag – trotz längerer Frist – nach Brüssel gemeldet hatte. Ditz hatte  zuvor klargemacht, dass er es unverantwortlich halte, ohne Beschlüsse der Bankorgane mit Brüssel zu verhandeln.

Dass zwischen Politik und Bank, also Aufsichtsrat und Vorstand, Katerstimmung herrscht, ist nicht neu. Zuletzt echauffierte sich Ditz über den Kanzler, als dieser die möglichen Hypokosten für den Staat mit bis zu sieben Milliarden Euro bezifferte.

Einheitliche Linie gewünscht

Gemeinsam mit dem stellvertretenden Aufsichtsratschef Rudolf Scholten appellierte Ditz bereits vor einem Monat an die Finanzministerin, endlich für eine einheitliche Linie der Regierung zu sorgen. Das geht aus einem Brief der beiden an Fekter hervor, der dem ­Standard  vorliegt. "Die politische Diskussion über die Zukunft des Unternehmens erschwert zunehmend längerfristig planbares Handeln auf Unternehmensebene und beeinträchtigt die Verkaufsverhandlungen der Österreich Tochter durch den Abfluss von Einlagen erheblich", hieß es in dem mit 2. Mai datierten Schreiben.

Vorgerechnet werden darin auch mögliche Kosten durch einen Verkauf aller Beteiligungen noch im heurigen Jahr – darauf drängte die EU-Kommission bisher. Je nach Szenario entstünde ein Verlust von 2,3 bis drei Milliarden, heißt es. Der Kapitalbedarf wird mit 1,9 bis 2,5 Milliarden beziffert. Ditz und Scholten plädierten in dem Brief neuerlich für die Einrichtung einer Bad Bank, gegen die sich Fekter immer wehrte. Da für diese weniger Eigenkapital hinterlegt werden muss, könne "der Kapitalbedarf um rund eine Milliarde Euro reduziert werden". Wenn man für den Verkauf des Südosteuropa-Netzwerkes mehr Zeit bekomme, würde man sich "ebenfalls eine Milliarde Euro an Kapitalzuschuss ersparen", hieß es.

Über den Fahrplan und die Bad Bank wird diese Woche wieder mit Brüssel verhandelt. Ein Problem ist mittlerweile gelöst: Die Hypo-Österreich wurde am Freitag an den indischstämmigen britischen Staatsbürger Sanjeev Kanoria verkauft. (Günther Oswald, Renate Graber /DER STANDARD, 3.6.2013)

  • Ditz soll in den Verhandlungen eine härtere Linie gegenüber der EU vertreten haben.
    foto: standard/hendrich

    Ditz soll in den Verhandlungen eine härtere Linie gegenüber der EU vertreten haben.

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