Die Rätsel des Marathon-Gens

2. Juni 2013, 17:47
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Das hochfavorisierte Pferd wurde im traditionsreichen englischen Derby Stockletzter - Für Genetiker kam das nicht überraschend.

Wien/Epsom - Das englische Derby, das älteste und renommierteste, hatte diesmal einen heißen Favoriten. Dawn Approach, ein Fuchs- Hengst aus der Zucht des berühmten irischen Trainers Jim Bolger (72), hatte nicht nur einen Derbysieger zum Vater, er hatte auch alle seine sieben Rennen gewonnen. Darunter den Klassiker der Dreijährigen, die 2000 Guineas über 1600 Meter - eindrucksvoll mit fünf Längen Vorsprung. Im Vorjahr wurde Dawn Approach um eine kaum geringe Summe vom Godolphin-Stall der Dubai- Herrscher gekauft, blieb aber bei Bolger im Training. Kein Wunder also, dass das Tier mit 5:4 der Liebling der Wetter für das Derby in Epsom am Samstag wurde.

Da gingen die interessanten Bedenken der Genetiker ziemlich unter, die behaupteten, der Hengst habe das C:C-Gen, und das bedeute, dass er für Rennen über die Meile hinaus (das Derby geht über eineinhalb Meilen, also 2400 Meter) nicht genug Ausdauer habe. Gefunden hat dieses Gen die renommierte irische Wissenschaftlerin Emmeline Hill, die darüber 2009 eine Studie veröffentlichte. Und mit Jim Bolger, dem Trainer von Dawn Approach, die Firma Equinome gründete, die nun auf kommerzieller Basis Rennpferde genetisch testet. Dieses Gen ist für die athletische Entwicklung wichtig. Je nach der Kombination dieses Gens lässt sich sagen, auf welchen Distanzen das Pferd seine besten Leistungen zeigen müsste. Für das Derby brauchen Galopper die Speed-Gen-Kombination C:T oder T:T.

Einige Buchmacherfirmen realisierten die Bedeutung, indem sie schon am Vorabend des Derbys ihre Kursangebote für Dawn Approach erhöhten und damit Wettgelder anlockten. Die Fakten: Dawn Approach ging im Derby unter den 15 Teilnehmern zunächst sehr unwillig. Fast so, als wüsste er, dass dies nicht "sein" Rennen sei. Jockey Kevin Manning hatte Schwierigkeiten und ließ ihn schließlich an die Spitze galoppieren. Die hielt er aber nur bis 700 Meter vor dem Ziel. Dann fiel er rasch zurück, wurde auch nicht mehr forciert, kam schließlich als Letzter ins Ziel.

Gewonnen hat das Derby einer von Trainer Aidan O'Briens (begann als Assistent von Jim Bolger) fünf Startern mit dem bezeichnenden Namen Ruler Of The World. Dieser Hengst hatte offensichtlich die richtige Genkombination. Kommentar von Trainer Jim Bolger nach dem Rennen: "Ich glaube, man wird Dawn Approach nicht mehr in Rennen über eineinhalb Meilen sehen." (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, 3.6.2013)

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    Englands Derby-Sieger ist Ruler of the World

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