Ab und an ein Jan

31. Mai 2013, 20:17
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Eine Ausstellung in München zeigt bis 16. 6. jenen Überblick über das Schaffen Jan Brueghel des Älteren, den der Markt nicht bieten kann.

Jan (der Ältere), Sohn des Pieter (des Älteren) und Bruder des gleichnamigen Jüngeren, das war der höfische, elegante, der katholische, der feine Maler, der in den besten Kreisen verkehrte und ebendort die meisten seiner Auftraggeber generierte. Mit 49 eigenhändigen Gemälden besitzen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen den größten Bestand, der das Schaffen des Künstlers in allen Facetten dokumentiert, wie die aktuell (bis 16. 6.) in München anberaumte Ausstellung in der Alten Pinakothek zeigt.

Über die Jahrhunderte war das Gros seines OEuvres - etwa auch in Wien über die kaiserliche Sammlung (KHM) - in Museumsbesitz gelangt und haben sich in Privatsammlungen nur vereinzelt Werke erhalten. Selten, sehr selten gelingt es dem Kunsthandel, eine solche Rarität zu akquirieren, betont Daisy Prevost (De Jonckheere, Paris/Genf). Stolz präsentierte man also im Zuge der Tefaf-Maastricht deshalb die 1594 während Breughels Aufenthalt in Italien ausgeführte Version der Kreuzigung, die sich seither in italienischem Privatbesitz befand.

Der kolportierte Verkaufspreis soll bei etwa 2,5 Millionen Euro liegen. Wohl wegen des religiösen und damit undekorativen Motivs fand sich noch kein Käufer.

Blumenbilder kaum verfügbar

Sporadisch gelangen seine Arbeiten über Auktionen auf den Markt: hauptsächlich in London, ab und an auch in Wien (Dorotheum, Oktober 2012: Gebirgslandschaft mit der Versuchung Christi, 146.700 Euro). Blumenbilder sind - dem Beinamen "Blumen"-Breughel zum Trotz - dabei ebenso eine Minderheit wie die in Kooperation mit anderen Künstlern (u. a. Hendrik van Balen, siehe Artikel "Der Teamworker") kreierten.

Seit 1989 listet die Kunstpreisdatenbank Artprice insgesamt 150 Einträge, wobei manche Gemälde seither mehrfach über Auktionen den Besitzer wechselten. Etwa eine von drei bekannten Versionen des Themas Höllenlandschaft, konkret Aeneas mit Sibylle in der Unterwelt, das 1598 und damit kurz nach Juno in der Unterwelt (1598, Staatliche Kunstsammlungen Dresden) und vor dem gleichnamigen Motiv (1600, Museum der schönen Künste, Budapest) entstand, das nun in München zu sehen ist.

Für umgerechnet 2,17 Millionen Euro ersteigerte es der Londoner Altmeisterspezialist Richard Green 2001 bei Sotheby's und reichte es anschließend in eine Privatsammlung weiter. 2007 gelangte es neuerlich bei Sotheby's zur Auktion und wechselte für 2,85 Millionen in anonymen Besitz. Den bislang höchsten Zuschlag verzeichnete man 2008 bei 4,42 Millionen Euro für jene Dorflandschaft (1616), die sogar ein Selbstbildnis inkludierte, die noch 1998 im Zuge einer Ausstellung im KHM (Brueghel. Flämische Malerei um 1600 - Tradition und Fortschritt) als Leihgabe aus einer Privatsammlung in Wien gastierte. Das Bild gehörte ursprünglich zum Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, wurde jedoch über ein Tauschgeschäft 1923 an den Kunsthändler Julius Böhler verkauft.   (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 1./2.6.2013)

  • "Aeneas und Sibylle in der Unterwelt" (1600). Eine Version dieses Themas von 1598 wechselte bei Sotheby's London 2007 für umgerechnet 2,85 Millionen Euro den Besitzer.
    foto: museum of fine arts, budapest

    "Aeneas und Sibylle in der Unterwelt" (1600). Eine Version dieses Themas von 1598 wechselte bei Sotheby's London 2007 für umgerechnet 2,85 Millionen Euro den Besitzer.

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