Gute Oberkörper und ein banales Prinzip

31. Mai 2013, 18:44
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Bei der EM in Sevilla wollen Österreichs Ruderer in eine bessere Zukunft starten - Die Spiele 2016 in Rio de Janeiro sollen eine Wende bringen

Sevilla/Wien - Leichte Ruderer haben es alles andere als leicht. Das zeigt sich auch dieser Tage bei der EM in Sevilla. Für den leichten Doppelzweier sind 22 Boote gemeldet, das größte Feld aller Bootsklassen. Dabei wird die Menschheit insgesamt ja eher immer schwerer. Es ist nur so, dass der internationale Verband bloß drei leichte Boote - neben elf schweren - zu Olympischen Spielen zulässt. Deshalb tummeln sich die guten Leichtgewichte in sehr wenigen Klassen. Und deshalb sitzen auch die Brüder Bernhard und Paul Sieber im leichten Doppelzweier, in dem die Konkurrenz am größten ist.

Im Teamschnitt dürfen leichte Ruderer exakt siebzig Kilogramm wiegen, leichte Ruderinnen 57 Kilogramm. Hat in einem Zweier der oder die eine um zwei Kilo weniger, so darf der oder die andere um zwei Kilo mehr haben. Österreich war immer schon ein Land starker Leichtgewichte, siehe Raimund Haberl, siehe Rantasa/Schmölzer. Aktuell und bei der EM ist es neben den Siebers vor allem Michaela Taupe-Traer, die auf einen Spitzenplatz hoffen darf. Wobei der leichte Einer der Frauen eben keine olympische Klasse ist, weshalb dort etwas weniger Gedränge herrscht. Im Vorjahr holte Taupe-Traer (38) WM-Silber.

Die Siebers stehen am Anfang, Bernhard ist 22, Paul ist 20 Jahre alt. Und dennoch hätten sie sich bereits vor einem Jahr, als sie bei der Rotsee-Regatte ins Finale einzogen, beinahe für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Als Unter-23-Weltmeister hielten sie sich schadlos, nun ist Rio de Janeiro 2016 das große Ziel der Wiener. "Wir wollen", sagt Bernhard, "als Brüder unseren Traum leben." Am Ende des Traums steht eine olympische Goldmedaille, und immerhin wissen die Siebers bereits, wie diese sich anfühlt - ihr Onkel Christoph Sieber war in Sydney 2000 Olympiasieger im Windsurfen.

Die Bedeutung des Oberkörpers

Rudern hat, im Vergleich zum Surfen, nicht nur Nachteile. Immerhin ist man windunabhängig und muss nicht an den Neusiedler See fahren, wo sich dann vielleicht, wenn man Pech hat, gerade der Wind legt. Bernhard hatte einst über ein Freifach in der AHS zu rudern begonnen, "auch weil man einen guten Oberkörper kriegt". Paul begann etwas später, auch weil er festgestellt hatte, dass der Bruder einen guten Oberkörper gekriegt hatte.

Im heimischen Verband (ÖRV) stellen die Siebers seit März, da Horst Nussbaumer als Präsident am, nun ja, Ruder ist, eine "Aufbruchstimmung" fest. Nussbaumer holte mit dem Dänen Carsten Hassing einen anerkannten Experten als Nationaltrainer. Hassing hat "ein ganz banales Prinzip. Ich will mit meiner Arbeit jeden Tag Spaß haben".

Bei der EM in Sevilla ist Österreich mit insgesamt sechs Booten vertreten, ebenso viele will Trainer Hassing im August bei der WM in Chung-Ju (Südkorea) an den Start bringen. Bei Olympia war Österreich zuletzt zweimal nicht vertreten, Rio 2016 soll die Wende bringen. Ein machbares Unterfangen, aber kein leichtes. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 1.6.2013)

  • Bernhard (links) und Paul Sieber sitzen seit 2012 im selben Boot und steuern Rio de Janeiro 2016 an.
    foto: philip platzer / red bull content pool

    Bernhard (links) und Paul Sieber sitzen seit 2012 im selben Boot und steuern Rio de Janeiro 2016 an.

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