Pensionsreform: Zähe Anpassung

Kommentar31. Mai 2013, 18:32
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Wann das geltende gesetzliche Pensionsalter auch durchgesetzt wird, steht in den Sternen

Nur keine Aufregung! Pensionen sind ein heikles Thema - und Pensionisten tut Aufregung nicht gut. Sie sind ein kritisches, vor allem aber großes Wählerpotenzial für alle Parteien - und ein amtierender Sozialminister wäre schlecht beraten, gerade in einem Wahljahr mit großen Reformplänen aufzuwarten.

Rudolf Hundstorfer weiß das als alter Gewerkschafter; seine Reaktion auf die Mahnung der EU-Kommission, doch endlich das Pensionssystem an die veränderten demografischen Gegebenheiten anzupassen, ist entsprechend.

Nein, er will das Frauenpensionsalter nicht vorzeitig an das der Männer angleichen - da habe er sich überzeugen lassen; ganz ohne sich vor ÖGB- oder SPÖ-Frauen zu fürchten, versichert der Minister. Und dass man das gesetzliche Pensionsalter dem Willen der EU-Kommission folgend von 65 auf 67 Jahre anheben könnte, hält der Minister auch für eine schlechte Idee. Schließlich ist das tatsächliche Pensionsantrittsalter immer noch weit unter 60.

Da müsste man ansetzen. Stimmt. Dort setzen die Regierungen seit inzwischen zwei Jahrzehnten an. Mit dem Erfolg, dass das durchschnittliche reale Pensionsantrittsalter inzwischen wieder auf ein Niveau gestiegen ist, das es vor 20 Jahren hatte: 58,4 Jahre. Ein Dutzend Jahre soll es dauern, bis es 60 Jahre erreicht. Wann das geltende gesetzliche Pensionsalter auch durchgesetzt wird, steht in den Sternen. Regt das jemanden auf? Nein. Es ist ja Wahljahr. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 1.6.2013)

 

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