Wahlkampf der Unnachgiebigen im Iran

31. Mai 2013, 17:57
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Machtspiele zwei Wochen vor Präsidentenwahl im Iran

Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl im Iran halten alle acht zugelassenen Kandidaten an ihrer Bewerbung fest. Keiner will - wie sonst üblich - innerhalb der Lager zugunsten eines anderen das Feld räumen. Das gilt auch für die Dreier-Koalition aus dem Teheraner Oberbürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf, Ex-Außenminister Ali Akbar Velayati und dem früheren Parlamentspräsidenten Gholam Ali Haddad-Adel.

Ursprünglich wollten sie am Ende des Wahlkampfs nur mit einem Kandidaten ins Rennen gehen. Das scheint nicht mehr der Fall zu sein. Ghalibaf hat nun nach inoffiziellen Umfragen die meisten Stimmen hinter sich und rechnet sich sehr gute Chancen aus. Ex-Außenminister Velayati setzt auf seine außenpolitische Erfahrung. Haddad-Adel baut auf seine Nähe zum religiösen Führer: der Sohn Ali Khameneis ist mit Haddad-Adels Tochter verheiratet. Er sieht seine Chance auch in einem eventuellen Zerwürfnis zwischen den beiden anderen Partnern.

Aus dem Rennen

Fest steht inzwischen, dass Ex-Präsident Hashemi Rafsanjani und der Favorit des scheidenden Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad, Esfandiar Rahim-Mashaei, endgültig aus dem Rennen sind. Beide waren vom Wächterrat nicht zugelassen worden. Sollte, wie erwartet, Rafsanjani in den kommenden Tagen eine Empfehlung für den früheren Atombeauftragten Hassan Rowhani aussprechen, werden dessen Chancen rapide steigen. Auch Mohammad Aref, der einzige Kandidat aus dem Lager der Reformer, rechnet mit Unterstützung von Ex-Präsident Rafsanjani.

Frühere Drohungen Ahmadi-Nejads für den Fall einer Ablehnung Rahim- Mashaeis werden unterdessen nicht mehr ernst genommen. Im Gegenteil: Es scheint sich immer mehr herauszukristallisieren, dass Rahim-Mashaei vom Präsidenten nur vorgeschickt worden ist, um einem anderen Kandidaten das Feld zu bereiten. In Wahrheit könnte Ahmadi-Nejad auf den Atomunterhändler und Chef des Obersten Sicherheitsrats, Saeed Jalili, setzen. Obwohl der Präsident schweigt, sind fast alle konservativen Unterstützer Ahmadi-Nejads nun auf die Seite Jalilis eingeschwenkt - ein deutliches Zeichen dafür, wie es um die wirklichen Präferenzen des Amtsinhabers steht. (DER STANDARD, 1./2.6.2013)

*Der Name des Autors wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt.

  • Saeed Jalili soll der wahre Favorit Ahmadi-Nejads sein.
    foto: epa

    Saeed Jalili soll der wahre Favorit Ahmadi-Nejads sein.

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