"... dass Ihr noch da seid"

31. Mai 2013, 16:56
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Danke ORF: Man sah Bundes- und Vizekanzler (verkühlungsverhütend verpackt) zu Wagner und Verdi durchhalten

Es ist einer jener Gesichtsbadtermine, bei denen die Opposition wohl dem Wählergott dankt, ihr Regierungssitze vorenthalten zu haben. Es gehört ja das Sommernachtskonzert für Landeslenker wetterbedingt mittlerweile zu den härtesten Repräsentationsevents.

Danke ORF: Man sah Bundes- und Vizekanzler (verkühlungsverhütend verpackt) zu Wagner und Verdi durchhalten. Nur Verteidigungsminister Gerald Klug strahlte ohne Kopfbedeckung karnevaleske Unbeugsamkeit aus, während Lorin Maazel mit dezenter Gestik und unerschütterlicher Mimik für orchestrale Ordnung sorgte.

Grundsätzlich: Die ORF-Kameras gaben sich mitunter etwas sprunghaft, verpassten so manch potenziell interessanten Maazel-Moment. Aber immerhin: Statt jeden Grashalm abzulichten, schwebten sie adlergleich überm Gelände – auch Publikum wurde dichter verewigt als in den letzten Jahren. Es gibt also Fortschritte bei der optischen Verzierung dieser von den Philharmonikern (der engagierte Tenor Michael Schade war dabei) mit Verve umgesetzten Klänge (die CD ist ab 10. Juni erhältlich).

Und wie dann nach einer dirigentischen Verwunderung ("Erstaunlich, dass Ihr noch da seid!" ) Wiener Blut erklang, sah man sogar Pärchen zum Feuerwerk den Regenwalzer tanzen. Nicht auszudenken, wären statt der etwa 15.000 die üblichen 100.000 erschienen. Die TV-Welt hätte die Gewissheit gepackt, der Wiener bliebe ein Tänzer, selbst wenn quasi Eiswürfel auf ihn herabregnen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 1./2.6.2013)

 

  • Elegant und energisch zugleich: Dirigent Lorin Maazel beim Sommernachtskonzert.
    foto: orf/ali schafler

    Elegant und energisch zugleich: Dirigent Lorin Maazel beim Sommernachtskonzert.

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