Energiewende reimt sich nicht auf Jobwunder

31. Mai 2013, 16:23
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Der Umbau auf Erneuerbare schafft Arbeitsplätze, aber bei weitem nicht so viele wie erhofft. Die Ausbildung muss besser werden

Wien - Die Hoffnung auf viele gute Jobmöglichkeiten, die sich durch die Energiewende auftun könnten, muss zumindest für Österreich relativiert werden. Zwar sei nach Abzug wegfallender Arbeitsplätze in anderen Bereichen mit einem positiven Nettobeschäftigungseffekt zu rechnen; "der fällt aber vergleichsweise klein aus", sagte Sven Hergovich, Referent für Nachhaltigkeit und Umweltökonomie in der Arbeiterkammer (AK) Wien, kürzlich auf einer Veranstaltung des Renner-Instituts.

Erst vor wenigen Wochen hat die Statistik Austria den Umweltbereich mit neuer Brille angeschaut. Demnach stagniert der Anteil der Umweltwirtschaft an der Gesamtwirtschaftsleistung Österreichs seit 2008 bei rund elf Prozent. 2008 war das Jahr, in dem die US-Investmentbank Lehman Brothers baden ging und eine weltweite Finanzkrise auslöste. Die Zahl der einschlägig beschäftigten Mitarbeiter bewegt sich bei 4,8 bis 4,9 Prozent der Gesamtbeschäftigten.

37.000 Jobs mit Wind, Sonne

Laut den letzten zugänglichen Daten konnten in Österreich 2011 gut 171.000 Mitarbeiter der Umweltwirtschaft zugerechnet werden; diese erwirtschafteten in Summe 32,6 Milliarden Euro Umsatz, was 10,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) darstellte. Das war gegenüber 2010 zwar ein leichtes Plus von 0,6 Prozent bei den Erwerbstätigen und von 3,2 Prozent beim Umsatz. Der Sektor wuchs aber langsamer als das BIP, sein Anteil ging leicht zurück.

Hergovich von der Arbeiterkammer schätzt die Zahl der Arbeitsplätze, die österreichweit mit der Produktion erneuerbarer Energie in direktem Zusammenhang stehen, auf rund 37.000. Etwa 3000 bis günstigstenfalls 8000 zusätzliche Jobs könnten in den nächsten Jahren in dem Bereich noch dazukommen, wagt Hergovich eine Prognose.

Qualifikation forcieren

Dabei sei die Qualität der neu entstehenden Arbeitsplätze nur zu einem kleinen Teil vergleichbar mit den Vollzeitjobs, die in der E-Wirtschaft noch vor wenigen Jahren gang und gäbe waren. Bei den neuen Jobs handle es sich vielfach um Dienstleistungstätigkeiten ohne besonderes Qualifikationserfordernis. Entsprechend niedrig sei die Entlohnung. Hergovich: "Wir müssen zusehen, dass im Zusammenhang mit der Energiewende bessere Jobs entstehen."

Besonders positive Nettobeschäftigungseffekte seien bei Maßnahmen zur Hebung der Energieeffizienz erwartbar, insbesondere im Gebäudebereich.

Thermische Sanierung richtiger Weg

Durch thermische Sanierung lässt sich nach allgemeinem Dafürhalten neben Maßnahmen im Verkehr auch am meisten Energie einsparen. Das ist eine der Voraussetzungen, um die 20-20-20-Ziele der EU zu erreichen (20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 2005, Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent im EU-Durchschnitt und eine um 20 Prozent höhere Energieeffizienz).

Ohne Steigerung der Energieeffizienz sei der weitgehende Ersatz von fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle durch erneuerbare Quellen wie Wind- oder Solarenergie nicht möglich, sagte der Präsident des internationalen Naturfreundeverbandes, Manfred Pils bei der Konferenz im Renner-Institut. Unverständlich sei, dass im Entwurf für ein Energieeffizienzgesetz, das nun bis nach den Nationalratswahlen warten muss, die Bundesimmobiliengesellschaft BIG ausgeklammert worden ist. Wenn man Budgetprobleme befürchte, sollte man doch analog zur Ökostrom-Umlage eine Energieeffizienz-Umlage andenken, schlug Pils vor.

Die Energiewende sei nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes wichtig und notwendig, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht: "Wir geben in Europa Jahr für Jahr etwa 500 Milliarden Euro allein für Energieimporte aus. Das Geld ist weg, die Wertschöpfung erfolgt außerhalb Europas. Wir haben es in der Hand, das zu ändern." (Günther Strobl, DER STANDARD, ÖkoStandard, 1./2.6.2013)

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    Wind und Sonne: Das sind einige der Ingredienzien der Energiewende. Abgehoben ist der Arbeitsmarkt dadurch noch nicht.

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