Existenzkampf in Berlins Galerienszene

31. Mai 2013, 19:55
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Eine Studie zur aktuellen Situation von Galerien in Deutschland liefert ernüchternde Ergebnisse

Dass in Galerien nicht so viel Geld umgesetzt wird wie in der Auktionsbranche, wissen die, die damit täglich zu tun haben, schon lange. Dennoch lagen bislang keine konkreten Zahlen vor, anhand derer Galeristen sich mit anderen vergleichen und über die sie in Verhandlungen mit der Politik treten konnten - etwa im Bereich der Kultur- und Wirtschaftsförderung. Dies will eine Studie des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) ändern, das 200 deutsche Galerien befragt hat.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Natürlich gibt es einige, die viel Geld verdienen - in Berlin setzen 30 bis 40 der insgesamt 400 Galerien jährlich mehr als eine Million Euro um. Zeitgleich gibt es jedoch einen hohen Anteil an solchen, die nicht überlebensfähig zu sein scheinen - bei 15 Prozent der Hauptstadt-Galerien liegt der Jahresumsatz unter 17.500 Euro.

Anders ausgedrückt: 20 Galerien machen die Hälfte des Gesamtumsatzes von mindestens 100 Millionen Euro aus, 150 Galerien sind für 90 Prozent verantwortlich. Das heißt jedoch auch, dass sich die 250 anderen mit den restlichen zehn Prozent Umsatz über Wasser halten müssen.

In Nordrhein-Westfalen (NRW) sieht die Situation etwas ausgeglichener aus: Die Hälfte aller Galerien weisen einen Jahresumsatz von zumindest 300.000 Euro (im Bundesdurchschnitt nur ein Drittel), zudem ist die Quote derjenigen, die weniger als 17.500 Euro Umsatz machen in Berlin zweieinhalbmal höher als in NRW.

Doch auch diese Zahlen relativieren sich, wenn man bedenkt, dass die Künstler in der Regel mindestens 50 Prozent der Verkaufserlöse erhalten und Mieten und teure Messebeteiligungen ebenfalls noch abgezogen werden müssen. In diesem Zusammenhang beobachtet IFSE-Geschäftsführer Hergen Wöbken ein Wegbrechen der Mittelschicht im deutschen Galeriewesen.

Ein weiterer interessanter Aspekt betrifft die Künstler, die die deutschen Galerien ausstellen. Berliner Galeristen setzen zur Hälfte (48 Prozent) auf Künstler aus der Region. Im Bundesdurchschnitt sind es 37, in NRW gerade einmal 23 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand - schließlich leben in Berlin zahlreiche Künstler und Kreative.

Und noch einen Spitzenwert nehmen die Berliner für sich ein: Etwa 70 Prozent sind der Meinung, dass sie ihre Galerie in einer anderen Stadt erfolgreich betreiben könnten. Ob dies nun als ein enormes Selbstbewusstsein oder einfach nur Frust gedeutet werden kann, geht aus der Umfrage nicht hervor. Die vollständige IFSE-Galerienstudie soll im September vorgestellt werden. (Damian Zimmermann, Album, DER STANDARD, 1./2.6.2013)

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