Fachhochschulen wollen mehr Studienplätze

31. Mai 2013, 13:41
75 Postings

FHs fordern mehr Geld, um ihre Kapazitäten auszubauen

Wien - Die Vorlage eines neuen Fachhochschul-Entwicklungsplans mit mehr Plätzen und einer erhöhten Förderung pro Studienplatz fordern Fachhochschul-Konferenz und Arbeiterkammer (AK). Konkret soll die Zahl der Studienplätze an Fachhochschulen (FH) bis 2020 von derzeit 41.000 auf 60.000, der Fördersatz pro Studienplatz von durchschnittlich 7.000 Euro auf 7.500 Euro steigen. "Die FH brauchen noch vor dem Sommer die Vorlage eines neuen Fachhochschulplans", so der Präsident der FH-Konferenz, Helmut Holzinger, bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Im Wissenschaftsministerium verweist man auf laufende Vorarbeiten im Rahmen des Plans.

Der aktuelle FH-Entwicklungsplan endet im Sommer 2013. Bis 2015 läuft darüber hinaus über die Hochschulmilliarde ein 40 Mio. Euro schweres Programm, das den Ausbau auf rund 44.000 Plätze vorsieht. "Wir bauen die Fachhochschulen gezielt aus und schaffen bis 2015 rund 4.000 zusätzliche Studienplätze", so Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) in einer Aussendung. Aktuell laufe die dritte Ausschreibungsrunde - "und auch danach soll nicht Schluss sein": "Ziel ist ein weiterer Ausbau." Dessen Ausmaß hänge von der Zusammenarbeit aller, den budgetären Möglichkeiten, dem zeitlichen Rahmen und der "Beibehaltung des hohen Qualitätslevels" ab.

"Ein neuer Plan noch vor dem Sommer ist nötig, weil die Vorbereitung eines neuen Studienprogramms zwei Jahre braucht", betonte Holzinger. Unter anderem müsse eine Bedarfs- und Akzeptanzstudie erstellt werden, für die Akkreditierung seien allein neun Monate zu reservieren.

Ein Fünftel an FH als Ziel

Bei einem Ausbau der Anfänger-Studienplätze um 1.350 pro Jahr würden bis 2020 18.900 zusätzliche Plätze entstehen, so Holzinger. Damit würde die Zahl der Studienplätze auf 60.000 und der Anteil der FH-Studenten an der Studenten-Gesamtzahl von derzeit zwölf auf 20 Prozent steigen. Zum Vergleich: Laut einer Expertenempfehlung zum Hochschulplan sollte Österreich künftig 40 Prozent der Studierenden an FH haben, in der Schweiz und in Deutschland sind es derzeit rund 30 Prozent.

Gleichzeitig forderte Holzinger auch die Valorisierung der Fördersätze. Seit 2009 bekommen die FH pro besetztem Studienplatz im Schnitt rund 7.000 Euro vom Bund, der Fördersatz steigt mit dem Technikanteil des Studiums. "Seit 2009 sind die Kosten aber um rund 7,5 Prozent gestiegen", so Holzinger - dementsprechend müsse auch der Fördersatz auf durchschnittlich 7.500 Euro angehoben werden.

Für AK-Präsident Rudolf Kaske ist es ein "untragbarer Zustand, dass die FH derzeit 39.000 von 55.000 Bewerbern pro Jahr wegschicken müssen". Daher unterstützt er die Forderung nach einem massiven Ausbau der Plätze. Dies sei nicht zuletzt auch eine "Frage der sozialen Gerechtigkeit": "Wer sind denn die Bewerber, die weggeschickt werden müssen?", fragte Kaske. Dies seien einerseits junge Menschen kurz nach der Matura, andererseits Arbeitnehmer mit mehrjähriger Berufserfahrung, die sich höherqualifizieren wollen, und drittens Arbeitnehmer, die etwa über die Berufsreifeprüfung die Matura nachgeholt haben.

"Mehr Arbeiterkinder"

An den FH gebe es traditionell mehr Arbeiterkinder als an Unis, so Kaske. An FH kämen 23 Prozent der Studenten aus niedrigen sozialen Schichten, an Unis nur 17 Prozent. "Es muss Studienchancen auch für jene geben, die keine traditionelle Matura haben." Die AK verlangt daher noch mehr berufsbegleitende Studiengänge und einen eigenen Fördertopf zur Erhöhung des Anteils von Studenten ohne "traditionelle" Matura. "Die FH dürfen nicht weiter das Stiefkind bleiben, sondern müssen mehr finanzielle Mittel erhalten."

Kaske spricht sich auch für die Abschaffung der Studiengebühren an FH aus. Dann müsse der Einnahmenausfall von rund 30 Mio. Euro den FH aber vom Bund ersetzt werden, meinte Holzinger.

Auch die SPÖ fordert mehr Studienplätze an FH. "Es ist ein untragbarer Zustand, dass drei von vier Bewerberinnen und Bewerber abgewiesen werden müssen", so Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl in einer Aussendung. (APA, 31.5.2013)

  • Die Fachhochschulen - wie hier das Wiener Technikum - fordern mehr Kapazität.
    foto: standard/corn

    Die Fachhochschulen - wie hier das Wiener Technikum - fordern mehr Kapazität.

Share if you care.