Sexarbeit im Fokus

31. Mai 2013, 15:29
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Aktionstag am 1. Juni in Wien, Linz und Salzburg - Forderung nach Anerkennung von Arbeitsrechten und Schutz vor Diskriminierung

Wie schon die Jahre zuvor wurde auch heuer der Internationale Hurentag wieder mit öffentlichen Aktionen begangen: Sowohl in Wien als auch in Linz und Salzburg luden Selbstorganisationen und Beratungsstellen zu diversen Veranstaltungen ein. In der Bundeshauptstadt machte LEFÖ gemeinsam mit den Grünen Frauen und dem Netzwerk Frauenrechte von Amnesty International auf die prekäre Arbeitssituation von SexarbeiterInnen aufmerksam.

Anerkennung von Rechten statt Verschärfung

In einer gemeinsamen Stellungnehme forderten die Vereine LEFÖ, PiA, maiz, SXA-Info, das Projekt iBUS sowie die Plattform sexworker.at "ein Ende der gesellschaftlichen Doppelmoral und Diskriminierung von SexarbeiterInnen." Die Politik müsse endlich rechtlichen Schutz garantieren und Sexarbeit als Arbeit anerkennen, heißt es in der Aussendung. "SexarbeiterInnen haben wenig Rechte, aber viele Pflichten: So gibt es bundesweit unter anderem in der Besteuerung von Sexdienstleistungen vollkommen unterschiedliche und widersprüchliche Praxen, die teilweise einer finanziellen Ausbeutung gleichkommen."

Bemängelt wurde auch das Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Abschaffung der Sittenwidrigkeit - diese habe bislang keine rechtlichen Änderungen bezüglich einer arbeitsrechtlichen Gleichstellung nach sich gezogen. "Auf dieses Urteil müssen politische Taten folgen!", so der Appell.

Kritik am Wiener Prostitutionsgesetz

Vor allem in der Diskussion rund um den Straßenstrich in Wien und Salzburg manifestiere sich gegenwärtig die gesellschaftliche Doppelmoral und Tabuisierung von Sexarbeit, kritisierten die Organisationen. Die Folge sei eine Verschärfung der Arbeitsbedingungen und ein erhöhtes Risiko, Gewalttaten ausgesetzt zu sein. So habe das neue Wiener Prostitutionsgesetz die Lage der SexarbeiterInnen verschlechtert und deren Marginalisierung und Diskriminierung weiter verstärkt. Maria Cristina Boidi von LEFÖ sagt dazu: "Dieses neue Gesetz hat viel Unsicherheit und Orientierungslosigkeit unter Sexarbeiterinnen verursacht und ihnen neue Einschränkungen an ihren Arbeitsplätzen auferlegt."

Gefordert wurde, SexarbeiterInnen in alle Entscheidungsprozesse und gesetzliche Änderungen einzubeziehen: "Als ExpertInnen kennen sie ihren Arbeitsbereich am besten, wissen über die Lebensrealität und die vorhandenen Diskriminierungen Bescheid. Gesetze dürfen nicht ohne die Einbeziehung der AkteurInnen selber beschlossen werden, SexarbeiterInnen nicht als Subjekte ohne jegliche Selbstbestimmung betrachtet werden."

Geschichte des Internationalen Hurentags

Der weltweite Aktionstag von SexarbeiterInnen geht auf einen Protest aus den 1970er-Jahren zurück: Am 2. Juni 1975 gingen Sexarbeiterinnen in Frankreich in Streik und bezeichneten in diesem Zusammenhang den Staat als den "größten Zuhälter". 150 Frauen besetzten zehn Tage lang die Kirche Saint-Nizier in Lyon und schufen damit eine internationale Öffentlichkeit für ihre Situation und ihre Forderungen.

Als Aktionskollektiv wandten sie sich gegen die staatliche Diskriminierung und gegen polizeiliche Repressionen, die angeblich dem Kampf gegen Zuhälterei dienen sollten: ständige Kontrollen und Verhaftungen, Schikanen, unverhältnismäßige Strafen, willkürliche Steuerbescheide sowie Tatenlosigkeit der Polizei gegenüber Morden, Misshandlungen und anderen Formen von Gewalt gegen Sexarbeiterinnen. Die Sexarbeiterinnenbewegung von Lyon wehrte sich damit auch gegen die Stigmatisierung von SexarbeiterInnen und gegen eine staatlich institutionalisierte Doppelmoral. (red, dieStandard.at, 31.5.2013)

Aktionen rund um den Internationalen Hurentag

Wien: 1. Juni, 14.00 - 18.00 Uhr

Sexarbeit = Arbeit!
Info-Café, Live-Auftritte von chra, The Norah Noizzze Diarizzz, Kater Franz und Maria Stern
1020, Praterstern (Ausgang Richtung Vergnügungspark Prater)

Linz: 2. Juni, 17.00 - 20.00 Uhr

Hurentag: Auf den Spuren der Sexarbeit in Linz
Stadtrundgang mit fünf Stationen, Treffpunkt: Pfarrplatz, 17.00 Uhr
im Anschluss Open-Space-Diskussion, Ort: Hofberg 9, ca. 18.30 Uhr

Salzburg: 1. Juni, ab 9.00 Uhr

Veranstaltungen zum Welthurentag: Workshop, Spaziergang und Filmabend
frei:raum, Kaigasse 17
Anmeldung unter: frauen@oeh-salzburg.at

  • Der rote Regenschirm ist das Symbol des weltweiten "Sex Worker Movement", das sich gegen die Diskriminierung von SexarbeiterInnen und für die Anerkennung ihrer Rechte einsetzt.

    Der rote Regenschirm ist das Symbol des weltweiten "Sex Worker Movement", das sich gegen die Diskriminierung von SexarbeiterInnen und für die Anerkennung ihrer Rechte einsetzt.

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