Neue Vorwürfe gegen tunesische Frauenrechtlerin

30. Mai 2013, 23:14
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Gericht setzt weitere Verhandlung gegen Femen-Aktivistin für 5. Juni an

Tunis - Im Prozess gegen die Femen-Frauenrechtlerin Amina vor einem tunesischen Gericht sind am Donnerstag neue und umfassendere Vorwürfe erhoben worden. Die 18-Jährige müsse sich unter anderem nun auch wegen Sittlichkeitsvergehen verantworten, teilte das Gericht in der nordöstlichen Stadt Kairouan der Nachrichtenagentur AFP mit. Drei weitere Aktivistinnen der Frauenrechtsorganisation Femen, darunter eine Deutsche, saßen weiter in Haft.

Der Prozess fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten zahlreiche Islamisten und Einwohner Kairouans gegen die Angeklagte. Die junge Frau selbst, die sich im Internet Amina Tyler nennt, beklagte in der Verhandlung, gegen sie werde "ein politischer Prozess" geführt.

"Kriminelle Verschwörung"

Das Gericht teilte mit, Amina werde nicht mehr nur der Besitz von Pfefferspray vorgeworfen, für den sie demnach eine Geldbuße von umgerechnet rund 150 Euro zahlen muss. Ihr würden zudem Sittlichkeitsvergehen, die Beteiligung an einer "kriminellen Verschwörung" und die Schändung eines Friedhofs zur Last gelegt. Der Prozess solle am 5. Juni fortgesetzt werden. Amina bleibt demnach in Haft.

Amina war am 19. Mai festgenommen worden. Sie hatte das Wort "Femen" auf eine Mauer nahe einem Friedhof geschrieben, um gegen besonders konservative Islamisten zu protestieren, die sich in der Nähe versammeln wollten. Ihr drohen bei einer Verurteilung nach den neuen Vorwürfen der Verschwörung nun bis zu 18 Jahre Haft.

Am Mittwoch wurden in Tunis drei Femen-Aktivistinnen festgenommen, die vor einem Gericht in der tunesischen Hauptstadt barbusig für Aminas Freilassung demonstrierten. Die beiden Französinnen und eine Deutsche saßen nach Femen-Angaben am Donnerstag weiter in Haft. Über juristische Schritte gegen sie war nichts bekannt.

Femen wurde in der Ukraine aus Protest gegen die Unterdrückung von Frauen gegründet. Die Gruppe sorgte Anfang April für Aufsehen, als Aktivistinnen barbusig vor Moscheen und tunesischen Botschaften in europäischen Städten demonstrierten. Sie fordern Selbstbestimmung über ihren Körper, die sie durch den Islamismus bedroht sehen. (APA, 30.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein wütender Mob demonstriert vor dem Gericht in Kairouan.

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