Der Mann, der George Bush die Stirn bot

Kopf des Tages30. Mai 2013, 22:15
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James Comey soll Robert Mueller als FBI-Chef folgen

Eine Krankenhaus-Episode katapultierte James Comey ins Rampenlicht; eine aus der Zeit, als George W. Bush im Namen des "Krieges gegen den Terror"  massiv in die Privatsphäre der Amerikaner eingriff. Comey hat die Geschichte selbst erzählt, wohl auch ausgeschmückt, um sich als Hüter der Verfassung zu profilieren.

Demnach lag Justizminister John Ashcroft 2004 nach einer Operation in einer Klinik, wo ihm zwei Abgesandte des Weißen Hauses wie bei einem schlechten Erbschaftsdrama eine Unterschrift abringen wollten. Es ging, wie so oft nach 9/11, um die Überwachung von Telefonen und Internetanschlüssen.

Rechtsberater Alberto Gonzales und Stabschef Andy Card wollten Ashcroft umstimmen, doch Comey hatte den Braten gerochen und war vor den beiden ins Spital geeilt. Als die beiden eintrafen, bissen sie bei Ashcroft auf Granit. "Ich bin nicht der Justizminister. Dort steht der Justizminister" , soll er gesagt und auf Comey gezeigt haben, seinen Stellvertreter, der provisorisch die Geschäfte führte. Auch der unterschrieb nicht. Bush war empört.

Die Geschichte macht sich gut, um die Beförderung des Juristen zu begründen. Barack Obama sucht Ersatz für Robert Mueller, der seit zwölf Jahren das FBI führt, das John Edgar Hoover einst zum Staat im Staat ausbauen wollte. Dem Präsidenten soll die Courage des Zwei-Meter-Hünen Comey so imponiert haben, dass er beschloss, ihm den Vorzug vor seiner Antiterrorberaterin Lisa Monaco zu geben.

Zudem ist Comey Republikaner, weshalb seine Ernennung ein Signal parteiübergreifender Souveränität wäre, ein Signal des guten Willens angesichts harter Fronten in Washington.

Nach dem Studium in Chicago arbeitete Comey als Staatsanwalt in Virginia und New York, bevor er 2003 zur Nummer zwei des Justizressorts avancierte. Nach zwei Jahren heuerte er als hochbezahlter Berater bei Privatunternehmen an, zunächst beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, später beim Hedgefonds Bridgewater Associates. Seit Jänner lehrt er Jus an der renommierten Columbia University.

Kritiker wollen nun genauer unter die Lupe nehmen, welche Rolle er bei der Causa Maher Arar spielte, dem Fall eines in Kanada lebenden Syrers, den US-Terrorfahnder wegen angeblicher Kontakte zu Al-Kaida auf ihren Listen hatten. 2002 bei einer Zwischenlandung in New York festgenommen, wurde Arar nach Damaskus überstellt und in den Gefängnissen Bashar al-Assads gefoltert.  (Frank Herrmann /DER STANDARD, 31.5.2013)

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