Dayli hofft auf ausländische Investoren

30. Mai 2013, 18:30
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Laut Eigentümer Rudolf Haberleitner gibt es zwei mögliche Investoren aus dem Ausland. Namen werden allerdings nicht genannt

Wien - Für die rund 3800 Mitarbeiter der Nahversorgungskette Dayli war die Nachricht ein Schock. Am Mittwoch wurden die Filialleiter per Rundschreiben informiert, dass 180 von 885 Filialen bzw. 560 Mitarbeiter beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet werden. Dazu kommen weitere 68 Mitarbeiter beim Verteilerzentrum in Gröbming in der Obersteiermark. "Welche Shops von der Schließung betroffen sind, werden (sic!) in den nächsten Tagen nach Gesprächen mit dem Betriebsrat bekannt gegeben", heißt es.

Im Standard-Gespräch erklärte Dayli-Eigentümer Rudolf Haberleitner am Donnerstag, dass es sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme handle. Er sei noch immer optimistisch, einen Investor zu finden. Man führe intensive Verhandlungen mit zwei potenziellen Geldgebern. Einer habe die Risikoprüfung (Due Diligence) am Mittwoch abgeschlossen und werde Ende nächster Woche über ein verbindliches Angebot beraten.

Keine Namen

Wer die möglichen Investoren sind? "Das kann ich noch nicht sagen, das ist viel zu heiß", so Haberleitner. Nur so viel: Beide seien aus dem Ausland, bei einem sei aber ein Österreicher "mit an Bord". Laut Businessplan benötige man jedenfalls rund 51 Millionen Euro. Gehe alles gut, seien Schließungs- und Kündigungspläne "kein Thema mehr". Steigt aber niemand ein, müsse man "Plan B" umsetzen, also Filialen schließen und Mitarbeiter abbauen, "damit wir von den Kosten runterkommen".

Verantwortlich für die Probleme macht Haberleitner neuerlich die Gewerkschaft sowie negative Berichterstattung. Der "Wahnsinnswirbel" um die Sonntagsöffnung habe einen Schaden von 20 Millionen Euro verursacht. In der Folge sei es auch nicht mehr möglich gewesen, mit Banken über Kredite zu verhandeln. "Warum das so ist, ist mir ein Rätsel", meint Haberleitner. Daher sei es nun auch nicht möglich, wie zunächst geplant 1500 neue Stellen zu schaffen. In Deutschland plane er hingegen weiterhin die Eröffnung von 400 Shops bis 2014.

Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten hält den vom Dayli-Eigentümer genannten Schaden von 20 Millionen Euro für "absurd". In jenen Filialen, die kurzfristig am Sonntag offen hatten, seien kaum Kunden anzutreffen gewesen. "Jeder, der die Grundrechnungsarten beherrscht, sieht, dass sich das nicht ausgeht." Die Gewerkschaft sei jedenfalls zu Gesprächen über Sozialpläne oder eine Arbeitsstiftung bereit, erklärte Proyer.

Schwieriger Umbau

Experten waren von Anfang an skeptisch, ob Haberleitners Konzept aufgehen kann. Aus der früheren Drogeriemarktkette Schlecker wollte er einen Nahversorger machen, der mehr oder weniger alle Produkte des täglichen Bedarfs anbietet - bis hin zu Bistro-Ecken. Der Umbau gestaltete sich aber schwierig. Zuletzt bat Haberleitner seine Lieferanten, ihm längere Zahlungsfristen einzuräumen. Für zusätzliche Unruhe sorgte, dass sich der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic als Miteigentümer zurückzog und nur mehr Finanzinvestor ist. Novomatic gewährte Dayli einen Kredit von zehn Millionen Euro, mehr Geld wollte man nicht mehr investieren. (Günther Oswald, DER STANDARD, 31.5.2013)

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