Die melodiöse Kraft des Lärms

31. Mai 2013, 15:07
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Die US-amerikanische Band Come feiert runden Geburtstag und gibt deshalb auch ein einziges Konzert in Österreich - im Kino Ebensee

Salzburg - Im US-Alternativrock der 1990er-Jahre dominierte Grunge mit den bekannten Protagonisten aus Seattle. Auf dem lokalen Sub-Pop-Label erschienen aber auch Platten der New Yorker Band Codeine, deren extremer Zeitlupen-Slowcore eigentlich als Reaktion auf die Grunge-Aggressivität entstanden ist. Am Schlagzeug saß der gebürtige New Yorker Chris Brokaw, der ab 1990 gleichzeitig in Boston ein anderes Bandprojekt betrieb: Zu Come gehörten neben Brokaw, jetzt an Gitarre und Mikrofon, noch Bassist Sean O'Brien und Drummer Arthur Johnson sowie Sängerin/Gitarristin Thalia Zedek, die davor mit der famosen New Yorker Post-No-Wave-Combo Live Skull Lärm im Stil der frühen Sonic Youth, Swans und Butthole Surfers gemacht hatte.

Come hielt sich an Zedeks und Brokaws Vorliebe für eher traditionellere Rocksongstrukturen und den Blues: Ihre Lieblingsbands waren die Rolling Stones (insbesondere Sticky Fingers), Gun Club, The Jacobites, The Only Ones und vor allem Birthday Party (samt deren Ablegern). Kein Wunder, dass auch Come düster-apokalyptischen Bluesrock fabrizierten - die erste Single Car erschien 1991 noch auf Sub Pop und stand etwa bei Radiolegende John Peel hoch im Kurs.

Die Debüt-LP 11:11 wurde dann ein Jahr später auf Matador Records veröffentlicht, aus dieser Zeit stammt auch eine Coverversion des Früh- 1970er-Stones-Hadern I Got The Blues. Zedeks rauchige und verzweifelte Stimme, abrupte Rhythmuswechsel und satte Feedbackorgien sowie Gespür für Dynamik prägen von Beginn an den Sound der Bostoner, deren Kraft sich aus dem Negativen schöpft. Bis zur ersten Band-Auflösung 2001 folgten drei weitere Alben, immer wieder halfen Musiker von Jesus Lizard oder Tortoise aus.

Come hatte keine Hits im herkömmlichen Sinne, aber vor allem Musikerkollegen wie Kurt Cobain von Nirvana oder J Mascis von Dinosaur Jr. schwärmten von der Band, die ebenso melodiös wie noisy sein konnte - und die einmal auch Backing-Band von Steve Wynn war. Zum 20. Jubiläum ist 11:11 neu aufgelegt worden, heuer feiert das Original-Quartett dieses Ereignis mit einer Tour. Einzige Österreich-Show.  (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 31.5.2013)

Kino Ebensee, Ebensee, 06133/ 63 08, 31.5., 20.30

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    Zum 20. Jubiläum der Band Come wurde das Album "11:11" neu aufgelegt. Dazu gibt es in Originalbesetzung eine Tour mit einer Österreich-Show.

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