Stupa in Linz: Umstrittene Kraft der Stahlstadt-Buddhisten

30. Mai 2013, 17:48
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Die Linzer Buddhistengemeinde will einen Stupa errichten - aus ihrer Sicht ein Kraftort, der rein aus Spendengeldern finanziert werden soll. Doch rund um die Pläne für den Bau kursieren allerlei Gerüchte. Anrainer und Politiker geben sich besorgt

Linz - "Des muss man sich einmal vorstellen. Jetzt baut der Islam da her" - die ältere Dame durchschneidet aufgebracht mit ihrem Gehstock die Linzer Abendluft und fixiert mit erstaunter Miene das Plakat am Bauzaun. "Hier errichtet das Buddhistische Diamantweg-Zentrum Linz einen Erleuchtungs- Stupa", steht dort. Darauf aufmerksam gemacht, hält die Dame nur kurz inne: "Des ist wurscht, wir sind ein katholisches Land." Und außerdem würde hier der Hund von der Nachbarin beim Gassigehen immer sein Geschäft verrichten: "Kann er nicht mehr, wenn da ein Gebetshaus steht."

Es braucht offenbar viel Kraft, will man den Linzern einen Kraftplatz schenken. Genau das hat das "Buddhistische Zentrum Linz der Karma-Kagyü- Linie" vor. Als erst dritte österreichische Landeshauptstadt erhält Linz nach Salzburg und Graz einen Stupa. In Asien sind diese buddhistischen Denkmäler unter verschiedenen Namen und in verschiedenen Formen oft zu sehen, auch in Europa werden es immer mehr.

In Linz errichtet ein Förderverein des Buddhisten-Zentrums das künftig 6,80 Meter hohe und mit rund 350.000 Euro veranschlagte Kraftsymbol am Maximilianweg am Freinberg. Womit man - neben dem Islam und dem Gassigehen - beim nächsten Anrainerproblem angelangt ist: Viele fürchten um die Aussicht vom Linzer Ausflugsberg.

"Als Geschenk sehen"

"Der Blick ins Weite bleibt ungetrübt. Der Stupa wird auf einer Fläche von 5,60 mal 5,60 Metern errichtet und fügt sich harmonisch in den Hang ein", erläutert Karin Beate Kraml, die den Förderverein vertritt, im Standard-Gespräch. Man hoffe, so Kraml, dass die Linzer ihren Stupa, wenn er fertig ist, als Geschenk sehen. Kraml: "Genau das ist er nämlich. Es geht darum, Frieden, Glück, Freiheit und Harmonie für alle Lebewesen zu vermehren, die mit dem Stupa in Berührung kommen oder ihn sehen. Es ist kein Tempel und auch kein religiöses Symbol." Finanziert wird der Stupa rein aus Spendengeldern.

Bis zum tatsächlichen Frieden müssen die Buddhisten noch mehrmals den Weg der Überzeugung beschreiten. In dem Villenviertel am Freinberg sollen Unterschriftenlisten dagegen im Umlauf sein. Hartnäckig halten sich zudem Gerüchte, wonach drohende Finanznöte der Stadt rund um den verlustreichen Swap-Deal den Bürgermeister Franz Dobusch (SP) dazu veranlasst hätten, das Grundstück am Freinberg zu veräußern. "Ein völliger Blödsinn. Die Stadt hat uns das Grundstück zur Verfügung gestellt, und wir zahlen ganz normal Pacht", klärt Kraml auf.

Mehr Aufklärung gefordert

Auch im Gemeinderat herrscht Aufruhr wegen des Stupas. Die Stadt-ÖVP brachte in der letzten Sitzung eine Resolution für einen sofortigen Baustopp ein - und blitzte damit ab. Dem Wunsch nach mehr Aufklärung folgten aber alle Fraktionen: Dobusch muss daher in der nächsten Stadtsenatssitzung Standortauswahl und vertragliche Abmachungen zwischen Stadt und Buddhistengemeinde offenlegen. Aufklärung wird auch über ein Naturschutzgutachten gefordert, das womöglich übergangen worden sein soll.

Als Architekt konnte der Verein mit Wojtek Kossowski einen "Stupa- Fachmann" gewinnen. Der Pole hat in den vergangenen 20 Jahren ähnliche Bauwerke in vielen Ländern errichtet. "In Asien sind die Stupas sehr bunt. Das haben wir hier aber gelassen. Wir möchten ihn so elegant wie möglich gestalten", sagt Kossowski. Das Bauwerk wird großteils aus Granit sein. Rundherum sollen Bänke zum Verweilen einladen.

Im August soll der Linzer Stupa, in dessen Innerem sich traditionsgemäß tausende kleine Buddha-Reliefs aus Gips befinden werden, offiziell eröffnet werden. "Dann wird sich die Aufregung gelegt haben, und alle werden es wunderbar finden", ist Kraml überzeugt. Ein zweites "Gföhl" fürchten die Linzer Friedensjünger nicht. In der niederösterreichischen Gemeinde wurden Stupa-Pläne im Vorjahr via Volksbefragung gekippt. "Die Projekte lassen sich gar nicht vergleichen", winkt Kraml ab. "Gföhl war um ein Vielfaches größer geplant." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 31.5.2013)

Wissen:

Stupa soll Frieden fördern Der Begriff "Stupa" stammt aus dem Sanskrit und bedeutet "anhäufen" oder " aufschütten". Ursprünglich wurden damit in vorbuddhistischer Zeit halbkugelförmige Grabhügel aus Erde oder Stein in Indien bezeichnet. Ein Stab in der Mitte sollte die Verbindung zum Universum darstellen. Die frühen Buddhisten übernahmen diese Symbolik.

Ein Stupa ist die symbolische Darstellung der Erleuchtung und des Geistes eines Buddhas und soll Frieden fördern. Im Inneren werden Tontafeln, Schriften und Reliquien sogenannter verwirklichter Meister aufbewahrt.

In Österreich gibt es derzeit in Wien, Salzburg, Graz, Vorarlberg und Kärnten öffentlich zugängliche Stupas. Anlässlich der 30-Jahr-Feier der Anerkennung als Religionsgemeinschaft findet in Wien von 1. bis 9. Juni eine buddhistische Kunst- und Kulturwoche statt. Ein Vortrag dabei: " Buddhistische Stupas in Europa - Kultur oder Spiritualität?" (fern, DER STANDARD, 31.5.2013)

Link: buddhismus-austria.at

  • Der Linzer Stupa soll sich am Freinberg auf einer Fläche von 5,60 mal 5,60 Meter erheben. Anrainer sammeln Unterschriften gegen das buddhistische Denkmal.
    rendering: buddhist. zentrum linz

    Der Linzer Stupa soll sich am Freinberg auf einer Fläche von 5,60 mal 5,60 Meter erheben. Anrainer sammeln Unterschriften gegen das buddhistische Denkmal.

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