Ärztekammer versus Patientenanwälte: Die Ärzte, das Kind, das Bad

Kommentar30. Mai 2013, 18:14
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Ginge es den Ärzten wirklich bloß um den Patienten, könnten sie doch eine Diskussion darüber anzetteln, ob man alle Patientenanwälte unbefristet bestellen sollte.

Wenn sich die Ärztekammer in gesundheitspolitische Diskussionen einschaltet, dann schüttet sie gern das Kind mit dem Bade aus. Patientenanwalt Gerald Bachinger kritisiert die Qualitätskontrolle in den Ordinationen, für die eine Tochterfirma der Kammer zuständig ist - und prompt fordert deren Präsident Artur Wechselberger die Abschaffung der Patientenanwälte. Und er hat auch schon eine alternative Idee: Das Wiener Modell, wo die Kammer demnächst die Bevölkerung per SMS einen eigenen Ombudsmann wählen lässt, soll den Patientenanwalt ablösen, der von der Landesregierung bestellt (und finanziert) wird, aber weisungsfrei ist.

Bleiben wir beim Beispiel Wien: Hier wurde der Vorwurf, dass Patientenanwälte nur Erfüllungsgehilfen der Landesregierungen sind, mit der Besetzung durch Sigrid Pilz deutlich widerlegt. Die Grün-Politikerin hat sich noch nie gescheut, Systemfehler der Spitalspolitik aufzuzeigen.

Ginge es den Ärzten wirklich bloß um den Patienten, könnten sie doch eine Diskussion darüber anzetteln, ob man alle Patientenanwälte unbefristet bestellen sollte. Aber wegen dieses Konstruktionsfehlers gleich die gesamte Patienten-Vertretung in die Hände der Ärzte legen? Wo das hinführen könnte, sieht man bei der Kontrolle der Ordinationen. Diese wurde offenbar nicht nur verschleppt, sondern teilweise auch noch dem Patientenanwalt in Rechnung gestellt. Das sollte als abschreckendes Beispiel genügen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 31.5.2013)

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