Brigitte Jank und die Logik der Wiener VP

Analyse30. Mai 2013, 18:16
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Warum die Wirtschaftskammerpräsidentin Nationalrat-Spitzenkandidatin ist

Wien - Ohne Brigitte Jank geht bei den Wiener Schwarzen nichts. Während all der Turbulenzen der letzten Jahre - Obmann-Rochaden, Wahldebakel, Rollenfindung in der Opposition - war die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin einer der wenigen Fixsterne im VP- Universum. Nun wird sie befördert, sie soll Nummer eins der Stadtpartei bei der Nationalratswahl werden und hat somit ein Fixticket fürs Parlament.

Dabei war Janks Strahlkraft nach außen bisher überschaubar. Sie spult zwar ein hohes Terminpensum ab, über den Wirtschaftsbereich hinaus dürfte sie dennoch den wenigsten Wienern ein Begriff sein - vielleicht noch als vehemente Gegnerin der autofreien Mariahilfer Straße. Mit der grünen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou liegt Jank dementsprechend im Dauerclinch, die beiden sollen sich alles andere als sympathisch sein. Anders verhält es sich da mit Bürgermeister Michael Häupl (SP): Bei der Saisoneröffnung an der Alten Donau sowie zum Beginn der Schanigarten- Saison lässt sich Jank jeweils kontrolliert gut gelaunt mit ihm ablichten; und selbst nach dem Platzen der rot-schwarzen Koalitionsverhandlungen 2010 gab sie sich stets betont konsensual.

Ihre Kür zur Spitzenkandidatin folgt nicht zuletzt der VP-eigenen Bünde- Logik. Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager wird nicht mehr antreten, also musste eine neue Wirtschaftsbündlerin her. Und die Partei war auf der Suche nach einer Frau für Platz eins. Erstmals hat sich die Wiener VP übrigens für alle Wahllisten das Reißverschlussprinzip verordnet, eine Initiative der Josefstädter Bezirksvorsteherin Veronika Mickel, die vor allem bei Klubobmann Fritz Aichinger auf wenig Begeisterung stieß. Folgerichtig steht hinter Jank auf der Landesliste Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, dann folgt ÖAAB-Chefin Gabriele Tamandl.

Keine gute Machtbasis

Lange war vermutet worden, Kurz werde auf Platz eins der Landesliste kandidieren, er ist schließlich der mit Abstand prominenteste Vertreter der Wiener VP. Kurz hatte solche Spekulationen stets von sich gewiesen, und tatsächlich "braucht" er das Wiener Mandat nicht, er wird auch auf der schwarzen Bundesliste gut gereiht werden. Die Wiener Landespartei ist innerhalb der VP wahrlich keine besonders tragfähige Machtbasis, Kurz setzte stets auf die Junge VP, deren Bundesobmann er ist. Und im niederösterreichischen Landtagswahlkampf trat er mehrfach an der Seite von Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) auf - manchmal sogar im Trachtenjanker. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 31.5.2013)

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