Es ist noch nicht ausgerungen

30. Mai 2013, 17:01
31 Postings

Ringen ringt mit Squash und Baseball/Softball um seinen Olympia-Verbleib. Diese drei Sportarten wurden vom IOC auf die Shortlist gesetzt. Die von Präsident Jacques Rogge angestrebte Reform droht zu scheitern

St. Petersburg - Nach dem Etappensieg im olympischen Überlebenskampf wollen die Ringer auf dem Boden bleiben. Freude ja, Euphorie nein, schließlich gibt es noch viel zu tun. "Das erste Spiel haben wir gewonnen, aber es kommt noch eines", sagte Nenad Lalovic, Präsident des Weltverbandes (Fila), nachdem die IOC-Exekutive in St. Petersburg neben Baseball/Softball und Squash auch Ringen auf die Shortlist der "neuen" Events für 2020 gesetzt hatte. 106 Tage nach dem vorläufigen oder vermeintlichen Aus durch das IOC hat die Traditionssportart zumindest einen kräftigen Schub bekommen.

Vieles spricht dafür, dass Ringen bei der 125. IOC-Session am 8. September in Buenos Aires zu den 27 feststehenden Sportarten für die beiden nächsten Spiele addiert wird und also olympisch bleibt. Damit wäre beim Abschied von IOC-Präsident Jacques Rogge die von ihm propagierte Programmreform gescheitert. Rogge wollte eine alte Sportart durch eine neue ersetzen. Nun könnte nur noch Squash seine Premiere feiern. Keine Chance auf den Platz bei Olympia 2020 hatten in der letzten Ausscheidungsrunde Karate, Klettern, Wushu, Rollschuhsport und Wakeboarden.

Die klassische Sportart Ringen hatte nach ihrer 30-minütigen Präsentation hinter verschlossenen Türen gleich im ersten Wahlgang mit acht von 14 Stimmen die nötige Mehrheit bekommen. Baseball/Softball im Duell mit Karate (9:5) sowie Squash im letzten Wahlgang mit acht Stimmen vor Wushu (4) und Klettern (2) folgten. Kommt es für das favorisierte Ringen dennoch anders in Buenos Aires, wo am 7. September auch die Olympiastadt 2020 (Istanbul, Madrid oder Tokio) und drei Tage später Rogges Nachfolger (sechs Kandidaten) gewählt wird, würde der weltweite Proteststurm der starken Ringer-Lobby wohl neue Stärken erreichen.

Dieser hatte sich entfacht, nachdem das IOC den Sport im Februar nach einer umfassenden Studie nach 39 Kriterien aussortiert hatte. Selbst die politischen Rivalen Russland, Iran und die USA hatten sich verbündet, ihr Schulterschluss über alle Gegensätze hinweg könnte Früchte getragen haben. Fila-Chef Lalovic glaubt aber auch, dass die eingeleiteten Reformen ein Schlüssel für die Berücksichtigung waren. "Aber wir hätten früher handeln müssen", sagt der Serbe, "dann wären wir gar nicht in dieser Lage."

Binnen drei Monaten war die antike Sportart nach dem überraschenden Rausschmiss aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Die Wettkampfregeln wurden modernisiert. Künftig sollen die Männer ihr Muskelspiel im Scheinwerferlicht mit nacktem Oberkörper zu Musik demonstrieren. Eine Frau erhält einen Vizepräsidenten-Posten, eine Athletenkommission entsteht. Der Schweizer Rafael Martinetti musste als Fila-Präsident abdanken, sein Nachfolger Lalovic trat sofort in regen Kontakt mit IOC- Chef Rogge. Dieser gab sich mit dem Ausgang in St. Petersburg zumindest äußerlich zufrieden. "Eine gute Entscheidung", sagte der Belgier und wünschte den drei ausgewählten Sportarten "viel Glück". (sid, fri, DER STANDARD, 31.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der griechisch-römische Salzburger Amer Hrustanovic, im Olympia- Achtelfinale 2012 dem Polen Damian Janikowski unterlegen, darf weiterhin auf 2016 hoffen. Janikowski hofft auch

Share if you care.