USA wieder an der Spitze der Weltwirtschaft

30. Mai 2013, 13:32
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Österreich verliert weiter an Boden und liegt nur noch auf Platz 23 - Mitterlehner relativiert

Lausanne/Wien - Die USA haben die Eurozone überflügelt und ihre Vormachtstellung in der Weltwirtschaft als wettbewerbsfähigstes Land der Erde zurückerobert. Deutschland behauptet sich gut im globalen Konkurrenzkampf und kann in dem am Donnerstag zum 25. Mal veröffentlichten Jahresranking des Schweizer Wirtschaftsinstituts IMD seinen neunten Rang verteidigen. Österreich hat hingegen gegenüber dem Vorjahr zwei Plätze verloren und rangiert nun auf Platz 23.

Die Studie des angesehenen Instituts könnte der Debatte über die EU-Sparpolitik neue Impulse verleihen. Mit seinem neunten Platz ist Deutschland weiterhin die einzige Euro-Volkswirtschaft unter den Top Ten der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Als wichtige Erfolgsrezepte Deutschlands nennt das IMD neben einer eisernen Fiskaldisziplin die solide Exportwirtschaft und die Stärke gesunder mittelständischer Unternehmen. Neun andere Länder der Eurozone haben sichtbar mit der Schuldenkrise zu kämpfen und sacken im Vergleich der 60 wichtigsten Volkswirtschaften teils besorgniserregend ab.

Euro als Bremse

Das betrifft nicht nur südeuropäische Krisenstaaten wie Spanien, das im Vergleich zu 2011 sechs Plätze einbüßte und nun auf dem 45. Rang eingestuft wurde. Die Niederlande rutschten gemessen an den 333 Kriterien des "World Competitiveness Rankings" der Lausanner Hochschule vom 11. auf den 14. Platz ab und Finnland von Rang 17 auf 20.

Deutlich besser stehen europäische Länder da, die weiterhin ihre nationale Währung haben: Die Schweiz stieg vom bisher 3. auf den 2. Platz, Schweden verbesserte sich vom 5. auf den 4. Rang, Norwegen vom 8. auf den 6. und Dänemark vom 13. auf den 12. Platz.

Teils zu stringente Sparaktionen

"Während die Entwicklung in der Eurozone nach wie vor stagniert, haben die eindrucksvolle Rückkehr der USA an die Spitze der Rankings und ermutigende Nachrichten aus Japan die Debatte um die Sparpolitik neu belebt", erklärte Stephane Garelli, Direktor des IMD World Competitiveness Center (WCC) bei der Vorstellung der Studie zur Wettbewerbsfähigkeit.

Nach Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftler des IMD haben teils zu stringente Spar- und Reformaktionen in manchen Euroländern Probleme eher noch verschärft. "Strukturreformen sind zwar unumgänglich, aber Wachstum bleibt eine Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit", sagte Garelli. "Außerdem sorgen die harten Sparmaßnahmen viel zu häufig für Widerstand in der Bevölkerung. Schließlich müssen die Länder den sozialen Zusammenhalt bewahren und Wohlstand schaffen."

Griechenland verbesserte sich

Allerdings gibt es in der Eurzone auch kleine Lichtblicke. So konnte sich Griechenland in punkto Konkurrenzfähigkeit wenigstens vom 58. auf den 54. Platz vorarbeiten. Vor der Aufnahme in die Eurozone stand das Land freilich weit besser da, wie ein weiterreichender Rückblick zeigt: 1997 sah das IMD die griechische Volkswirtschaft noch auf Rang 36 - Deutschland kam damals auf Platz 16.

Als wichtige Gründe für den Erfolg der USA nennt das IMD das Wiedererstarkten des dortigen Finanzsektors - der allerdings 2007 maßgeblich die Finanzkrise ausgelöst hatte - sowie die Fähigkeit zu technischen Innovationen und erfolgreiche Unternehmen. Daran hat sich seit vielen Jahren kaum etwas geändert: Auch 1997 waren die Amerikaner im IMD-Ranking Spitzenreiter, 2012 immerhin Vize.

Mitterlehner relativiert

Zu den Ländern, die ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Vorjahr verbessern konnten, gehören auch China (21, vorher 23) und Japan (24, vorher 27). Bei Japan scheinen die "Abenomics" - die nach Regierungschef Shinzo Abe benannte Wirtschaftspolitik - "wie eine Initialzündung auf die Wirtschaftsdynamik gewirkt zu haben", stellte das IMD fest. Andere Experten sehen Abes Taktik, die Wirtschaft mit einer von der Notenbank initiierten Geldflut in Schwung zu bringen, allerdings als sehr gefährlich an.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat das Ranking in einer Aussendung relativiert. Insgesamt hätten sich gleich 14 EU-Länder in dem Ranking verschlechtert, und im EU-Vergleich habe Österreich seine neunte Position gehalten, unterstrich Mitterlehner. Außerdem habe sich Österreich im jüngsten Ranking des World Economic Forum unter 144 Ländern um drei Ränge auf Platz 16 verbessert.

Wachstum in Österreich

Bei den Fundamentaldaten sei Österreich weiterhin gut aufgestellt, sagte Mitterlehner. Österreichs Wirtschaft wachse heuer schon das zwölfte Jahr in Folge schneller als die Eurozone und habe seit 24 Monaten die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU. Umverteilungsdebatten und Forderungen nach einer Vermögenssteuer würden dem Wirtschaftsstandort schaden, "unsere Steuer- und Abgabenquote ist jetzt schon zu hoch", sagte der Minister.

Das IMD stützt sich auf eigene Erhebungen, zu zwei Dritteln fließt aber die Auswertung nationaler und internationaler Statistiken in das Ranking ein. Unterm Strich sehen die Lausanner Experten eine "goldene Regel" zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit: "Produktion, Diversifizierung, Export, Infrastrukturinvestitionen, Bildung, Förderung von KMU (Kleinere und Mittlere Unternehmen), Durchsetzung von Haushaltsdisziplin und vor allem Wahrung des sozialen Friedens." (APA, 30.5.2013)

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