Der Meistertitel wandert nach Wien

29. Mai 2013, 21:16
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Der BC Vienna holt sich vor 2.500 Zuschauern in Schwechat mit einem 68:55-Sieg über Oberwart den Titel

Schwechat - Der österreichische Basketball-Meister der Herren kommt erstmals seit 21 Jahren wieder aus Wien. Der BC Vienna sicherte sich am Mittwochabend im alles entscheidenden fünften Spiel der Finalserie ("best of five") gegen die Gunners Oberwart seinen ersten Titel. Die Wiener setzten sich im Showdown vor 2.500 Zuschauern im Multiversum in Schwechat souverän mit 68:55 (35:28) durch.

Großartiges Ausweichquartier in Schwechat

Vienna kontrollierte die Partie auch ohne echten Heimvorteil - die Wiener Stadthalle stand wegen der EM in der Rhythmischen Gymnastik nicht zur Verfügung - von Beginn an. Mitte des Schlussviertels kamen die Oberwarter noch einmal auf zwei Punkte heran. Im Gegensatz zu Spiel vier, als sie einen sicher geglaubten Sieg verschenkt hatten, ließen die Wiener aber nichts mehr anbrennen.

Den bisher letzten Meistertitel hatte 1992 SPI Wien in die Bundeshauptstadt geholt. Oberwart scheiterte zum sechsten Mal in sieben Finalauftritten. Ihre bisher einzige Meisterschaft hatten die Burgenländer 2011 ebenfalls nach fünf Spielen gegen Gmunden gesichert. Nach 0:2-Rückstand in der Endspielserie noch den Titel zu holen, ist aber weiterhin nur Kapfenberg vor zehn Jahren gegen Gmunden gelungen.

Die Gunners wurden von fast 1.000 mitgereisten Fans lautstark unterstützt, außer den US-Legionären Darnell Hinson (19) und Seamus Boxley (12), dem wertvollste Spieler ("MVP") der Saison, punktete aber kein Spieler zweistellig. Die Wiener wurden von Shawn Ray und Ian Boylan angeführt. Topscorer Boylan erzielte zwölf seiner 22 Punkte im vierten Viertel. Ray wurde nach 20 Zählern im Entscheidungsspiel zum MVP der Finalserie gewählt.

Zeit für junge Leute

Kapitän Stjepan Stazic, der in Spiel vier mit einigen unüberlegten Würfen aufgefallen war, ließ Trainer Andrea Maghelli dagegen im gesamten Schlussviertel auf der Bank. "Es ist Zeit für junge Leute. Es war ein unglaubliches Spektakel, die ganze harte Arbeit hat sich ausgezahlt", sagte Stazic nach einer innigen Umarmung seines Bruders Petar Stazic-Strbac. "Es ist wahnsinnig, für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen", ergänzte Stazic-Strbac, der als Generalmanager des BC fungiert.

Die endgültige Entscheidung brachte ein Dreipunkter von Boylan 1:02 Minuten vor Schluss zu einer Neun-Punkte-Führung. Für Routinier Stazic war es erst der zweite österreichische Meistertitel. Davor war das dem 34-Jährigen, der als größtes heimisches Talent der vergangenen Jahrzehnte gegolten hatte, nur 1997 in seiner Jugend mit UKJ St. Pölten gelungen.

Ray bejubelte in seiner neunten Saison in Österreich ebenso seinen ersten Meistertitel wie Cheftrainer Maghelli in seiner achten. "Es war keine einfache Saison. Wir sind absolut sehr, sehr glücklich", betonte Maghelli. Besonders stolz war der Italiener, dass sein Team im Entscheidungsspiel nur 55 Punkte zugelassen hatte. "Unsere Offensive ist nie wirklich ins Laufen gekommen", gestand Gunners-Coach Tom Johnson.  

"Nicht in Worte zu fassen"

"Wir haben Unmögliches möglich gemacht", jubelte Generalmanager Petar Stazic-Strbac. Er und sein Bruder Stjepan Stazic, der Mannschaftskapitän, hätten seit August 2010 an diesen Traum geglaubt. Eine Meisterfeier habe er "aus Aberglaube" nicht organisiert, versicherte der Manager. Für die Stunden nach dem Titelgewinn kündigte er freilich "Vollgas" an.

Als "nicht in Worte zu fassen" bezeichnete Benedikt Danek den Gewinn seiner ersten Meisterschaft. Er wusste, dass ein Entscheidungsspiel eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre, zumal der BC in Spiel vier einen sicher scheinenden 14-Punkte-Vorsprung noch aus der Hand gegeben hatte. Aber: Vor einer derartigen Kulisse sei der Triumph "umso schöner". Für Danek gab es übrigens kein Verschnaufen: Er rückte am Donnerstag zum Kurzcamp des Nationalteams (bis Sonntag) in Klosterneuburg ein.

"Vienna hat ganz clever gespielt", analysierte der enttäuschte Gunners-Manager Andreas Leitner das entscheidende Spiel sehr fair. Die Wiener hätten vor allem ihre physische Überlegenheit ausgenützt. Was sein Team anging, haderte Leitner mit der schwachen Trefferquote jenseits der Dreipunktelinie. Nur vier von 23 Würfen (17,4 Prozent) fanden ihr Ziel. Die Quote des Gegners war mit 3 von 13 (23,1 Prozent) zwar kaum besser, aber Ian Boylan ausgerechnet im Schlussviertel gleich zweimal erfolgreich. (APA, 29.05.2013)

Final-Ergebnis:

BC Vienna - Gunners Oberwart 68:55 (35:28)
Schwechat, 2.500 Zuschauer.

Beste Werfer: Boylan 22, Ray 20 bzw. Hinson 19, Boxley 12.

Endstand der Serie: 3:2 - BC Vienna zum ersten Mal österreichischer Basketball-Meister

Auszeichnungen:

Wertvollster Spieler der Saison (MVP): Seamus Boxley (Oberwart)

Bester österreichischer Spieler der Saison (MVAP): Thomas Klepeisz (Güssing)

Bester Spieler der Finalserie (Finals MVP): Shawn Ray (Vienna)

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    Der Pokal geht nach Wien.

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    Richard Chaney jr. (Oberwart/r.) und Shawn L.Ray (Vienna) im Finale in Schwechat.

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