Wenn sich Schimpansen oder Bonobos verzocken, flippen sie aus

31. Mai 2013, 11:40
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Verhaltensforscher ließen Tiere zwischen verschiedenen Futtervarianten wählen: Sicherem Mittelmaß oder einer Risiko-Option

New Haven/Durham - Haben unsere nächsten Verwandten Pech im Glücksspiel, reagieren sie ähnlich emotional wie Menschen: Das zeigt eine Studie von US-Forschern, die im Journal "PLoS ONE" veröffentlicht wurde. Für ihre Untersuchung machten die Wissenschafter verschiedene Versuche mit Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) und Bonobos (Pan paniscus) aus afrikanischen Schutzeinrichtungen.

In ihrer Studie konzentrierten sich Alexandra Rosati von der Yale-Universität in New Haven (US-Staat Connecticut) und Brian Hare von der Duke-Universität in Durham (US-Staat North Carolina) auf negative Emotionen. Bonobos und Gemeine Schimpansen äußern diese etwa, indem sie sich kratzen oder indem sie um sich schlagen, schreien, jammern oder fiepen - was die vom Glück nicht begünstigten Versuchstiere denn auch ausgiebig taten.

Erster Versuch: Geduld gefragt

Im ersten Versuch mussten sich 38 Tiere zwischen einer großen und einer kleinen Futterportion entscheiden. Wählten die Affen den kleinen Snack, erhielten sie diesen sofort. Suchten sie sich jedoch die große Portion aus, bekamen sie diese erst nach einer oder zwei Minuten Wartezeit. Alle möglichen Optionen wurden vorher mit den Tieren trainiert.

In knapp zwei Drittel der Fälle entschieden sich die Affen dafür, auf die große Portion zu warten, wenn die Wartezeit nur eine Minute betrug. Bei einer zweiminütigen Wartezeit war dies nur noch bei rund der Hälfte der Versuche der Fall. Insgesamt waren die Schimpansen im Vergleich zu den Bonobos ehre zum Warten bereit. Allerdings schrien, jammerten und fiepten sie beim Warten auch mehr.

Zweiter Versuch: Risikobereitschaft

Mit dem zweiten Versuch wollten die Forscher testen, inwiefern Affen unterschiedliche Entscheidungsergebnisse akzeptieren. Dieses Mal wurden 37 Tiere vor die Wahl gestellt: Sie konnten sich für eine riskante oder eine sichere Option entscheiden. Bei der riskanten Option erhielten die Affen entweder ihren Lieblingssnack oder ein Essen, das sie erfahrungsgemäß nicht gerne mochten. Bei der sicheren Option bekamen die Tiere immer mittelmäßiges Futter.

Bei diesem Versuch zeigten sich die Schimpansen deutlich risikofreudiger, sie wählten zu knapp zwei Dritteln die Zocker-Option. Die Bonobos hingegen gingen zu gut 60 Prozent auf Nummer sicher. Zogen die Affen bei dem Glücksspiel eine kulinarische Niete, so zeigten beide Arten stark negative Emotionen.

"Psychologen und Ökonomen haben herausgefunden, dass Gefühle beim Menschen eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen. Etwa, wenn es um die Frage geht, Geld zu investieren oder zu sparen", erklärt Studienautorin Rosati. Ihre Untersuchung zeige, dass Affen nach einer riskanten Wahl ähnlich emotional wie Menschen reagieren. Weitere Forschung sei jedoch notwendig, um herauszufinden, ob diese emotionalen Reaktionen dazu führen, dass die Tiere zukünftige Entscheidungen anders treffen. (APA/red, derStandard.at, 31. 5. 2013)

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