Dayli hält an Plänen für Deutschland fest

30. Mai 2013, 16:18
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Das Unternehmen macht die Diskussion über die Sonntagsöffnung für Verluste verantwortlich, an den Deutschland-Plänen hält es fest

Wien - Gestern hatte Dayli-Chef Rudolf Haberleitner die Einschätzung von Kreditschützern über eine drohende Insolvenz noch empört zurückgewiesen, heute gab der Schlecker-Nachfolger bekannt, rund 180 der 885 Filialen in Österreich zu schließen. 560 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Job und wurden beim Arbeitsmarkservice (AMS) angemeldet. Um welche Filialen es sich handelt, ist noch nicht bekannt.

Das Verteilerzentrum Gröbming in der Obersteiermark mit derzeit 68 Mitarbeitern wird ebenfalls geschlossen. Die Auslieferung für ganz Österreich werde das Logistikcenter in Pöchlarn in Niederöstereich übernehmen, hieß es in einer Aussendung.

Medien, Politik und Gewerkschaft verantwortlich

Für die Misere verantwortlich macht Haberleitner Politik, Gewerkschaft und Medien. In der Aussendung ist von "Boykotten und Gesetzesänderungen gegen Dayli" sowie von "negativer und unrichtiger Berichterstattung" die Rede.

Ursprünglich hatte der Investor vor, alle 885 österreichischen Filialen auch sonntags aufzusperren. Eine Gesetzesänderung vereitelte diesen Plan. Die Gewerbeordnung wurde dahingehend geändert, dass der sonntägliche Warenverkauf mit Gastgewerbekonzession nur dann erlaubt ist, wenn der Charakter des Betriebes als Gastgewerbe auch tatsächlich gegeben ist.

Im Zuge der Diskussionen um die Sonntagsöffnung seien ungeplante Verluste in zweistelliger Millionenhöhe entstanden, gab Dayli heute bekannt. "Wenn jemand ein Konzept auf Rechtsbruch und fragwürdigen Grauzonen aufbaut, darf er sich nicht wundern", gab sich Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten unbeeindruckt. An den Dayli-Chef hat er eine klare Botschaft: "Er soll Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen und seine Polemiken unterlassen."

Wiedereinstellung möglich

Die Gewerkschaft sicherte volle Unterstützung für allfällige Maßnahmen wie eine Arbeitsstiftung oder einen Sozialplan zu. Noch wurden keine Kündigungen ausgesprochen, die Anmeldung der 560 Beschäftigten beim AMS sei ein Frühwarnsystem. Das Unternehmen habe einen Monat Zeit, seine Verantwortung gegenüber den Beschäftigten zu wahren, so Proyer. Innerhalb dieser Zeit dürften keine Dienstverhältnisse beendet werden. Für die Beschäftigten gibt es also noch Hoffnung.

Derzeit liefen Verhandlungen mit Partnern sowie mit ausländischen Banken und Warenkreditversicherern. Sollten diese Gespräche positiv ausgehen, werde durch die vorgesehene Expansion die Wiedereinstellung der gekündigten Mitarbeiter möglich sein, so auch Dayli in der Aussendung.

Die Pläne von Dayli waren von Beginn an ambitioniert, zu ambitioniert, wie Branchenkenner meinen. Nach der Schlappe rund um die Sonntagsöffnung überschlugen sich in der vergangenen Woche die Meldungen. Zuerst wurde bekannt, dass die Drogeriekette seine Lieferanten um einen Zahlungsaufschub gebeten hat, kurz darauf gab Miteigentümer Novomatic seinen Ausstieg bekannt.

Deutschland-Pläne weiter aufrecht

Trotzdem will Dayli an seinen ambitionierten Deutschland-Plänen als Schlecker-Nachfolger festhalten. Dies sagte Haberleitner der Nachrichtenagentur dpa: "Ich habe schon daran gedacht, die ganze Firma nach Deutschland zu verlegen." Denn im Nachbarland herrsche deutlich mehr Offenheit für seine Pläne als in Österreich.

Er will mit seiner TAP Dayli GmbH in Österreich und Deutschland hunderte ehemalige Schlecker-Filialen mit neuem Konzept wiederbeleben und europaweit expandieren. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sollen zunächst 400 Dayli-Filialen entstehen, bis 2016 sollen Menschen deutschlandweit in 2.500 Geschäften einkaufen können, so Haberleitner. Viele Experten sehen die Pläne kritisch.(APA, 29.5.2013)

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