OPEC wird Förderquoten nicht antasten

29. Mai 2013, 13:51
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Fachleute gehen davon aus, dass die Nachrage nach Öl im zweiten Halbjahr steigen wird, der Ausblick bleibt stabil

Wien - Die OPEC-Ölminister werden bei ihrem Treffen am Freitag in Wien die Förderquoten nicht antasten, sondern das Produktionsziel unverändert bei 30 Millionen Fass pro Tag belassen. Davon gehen Fachleute aus, obwohl die Ölnachfrage im zweiten Halbjahr höher sein dürfte als bis Juni.

Ölexperte Johannes Benigni von JBC Energy in Wien sieht keine Notwendigkeit einer Förderkürzung, sondern - falls überhaupt - eher Potenzial nach oben. Sollte wie erwartet die Ölnachfrage in der zweiten Jahreshälfte steigen, könnte vor allem das führende Förderland Saudi-Arabien einspringen und seine Produktion ausweiten, meinte er.

Ausblick stabil

Den Ausblick auf den Ölmarkt und auch die Preise erwartet Benigni stabil - bei einer unerwartet stark steigenden Nachfrage könnte der Ölpreis sogar nach oben gehen. "Ein Überangebot an Öl sehe ich nicht." Wenn in manchen Regionen das Angebot steige, etwa beim vielzitierten Shale Oil in Nordamerika, dann gleiche das in Summe lediglich Schwachstellen anderswo aus. Ja, es sei richtig, dass die USA und Kanada ihre Produktion 2011 und 2012 unerwartet stark gesteigert hätten, aber diese Mengen seien im Rest der Welt wieder verloren gegangen.

Sollte sich die Konjunktur unerwartet trüb entwickeln, könnte der Ölpreis nach unten gehen, ist für Benigni denkbar aus. Allerdings seien die Konjunkturaussichten bereits im nachfrageschwächeren ersten Halbjahr auch nicht großartig gewesen - ohne dass der Preis jedoch gesunken wäre. "Mit der Grundannahme, dass der Ölpreis um die 100 Dollar liegt, ist jeder zufrieden", so der Experte.

Andere Fachleute betonen, dass die OPEC längerfristig immer mehr an Bedeutung verliert - wegen der US-Shale-Oil-Produktion, Tiefseebohrungen Brasiliens oder der Ausbeutung von Ölsanden in Kanada und der Arktik. Manche werfen der OPEC vor, sie habe den Schiefergas- und -öl-Hype ignoriert oder gar verschlafen. Schon jetzt steuern die OPEC-Länder nur ein Drittel zum gesamten Weltverbrauch von fast 90 Millionen Fass täglich bei.

30,5 Millionen Barrel pro Tag

Ein IEA-Bericht ging jüngst davon aus, dass das US-Shale-Oil-Angebot in den nächsten fünf Jahren den Großteil der zusätzlichen globalen Welt-Ölnachfrage abdecken könnte und damit der OPEC wenig Spielraum ließe, ihre Produktion ohne Gefahr sinkender Preise auszuweiten. Das wachsende nordamerikanische Angebot werde bis zum Ende des Jahrzehnts den Bedarf an OPEC-Öl sinken lassen, so BP-Chefökonom Christof Ruhl. Voriges Jahr hatten die USA mit 850.000 Fass pro Tag die stärkste Steigerung ihres Outputs vermeldet, seitdem der heute größte Ölkonsument vor rund 150 Jahren mit Förderungen begonnen hat.

Aktuell fördern die OPEC-Mitglieder etwa 30,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag, im Gesamtjahr könnte die Produktion nach Einschätzung von Benigni auf 31 Millionen Barrel täglich steigen. Dabei könnte etwa Saudi Arabien im zweiten Halbjahr seine Förderung hochfahren. JBC Energy geht davon aus, dass die Nachfrage nach OPEC-Öl im zweiten Semester um 825.000 b/d wachsen wird, die IEA geht - als Durchschnitt zweier Szenarien - von einem Plus von 750.000 b/d aus, während die OPEC selbst zuletzt noch optimistischer war. (APA, 29.5.2013)

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