Belo-Monte-Bauherren fordern Regierungshilfe wegen Indigenen-Protesten

29. Mai 2013, 14:17
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Viele Indigene verlieren durch Belo Monte ihre Lebensgrundlage

Brasilia/Wien - Das für den Bau des brasilianischen Belo-Monte-Staudamms verantwortliche Konsortium befürchtet eine Eskalation der Gewalt zwischen Bauarbeitern und protestierenden indigenen Staudammgegnern. Die Bauherren sollen bereits vor zwei Wochen einen entsprechenden Brief mit der Bitte um Maßnahmen an vier Ministerien geschickt haben, berichtete Kathpress am Mittwoch unter Berufung auf brasilianische Medien.

Nachdem die Baustellen in den letzten Monaten mehrmals von Indigenen besetzt worden waren, bezeichnet das Konsortium die Lage in der Region als "extrem angespannt". Bisher hat die Regierung noch keine Maßnahmen verkündet.

40.000 Menschen verlieren Lebensraum und -grundlage

Kritik an dem Projekt kommt besonders von den indigenen Anrainern der Region, die ein Mitspracherecht und öffentliche Anhörungen zu dem Projekt verlangen. Unterstützung in ihrem Kampf erhalten diese vom Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche (CIMI) und dessen Präsident, dem aus Vorarlberg stammenden Bischof Erwin Kräutler.

Kräutler hatte erst vor kurzem in Österreich vor den katastrophalen Folgen des Staudammprojekts gewarnt. Durch das Projekt würden rund 40.000 Menschen, vorwiegend Angehörige indigener Minderheiten, Lebensraum und -grundlage verlieren.

500 Quadratkilometern Regenwald überflutet

80 Prozent des Xingu-Flusses würden dafür abgeleitet und ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometern Regenwald überflutet. Dies zerstöre die Lebensgrundlage der indigenen Bewohner, lasse gewachsene Gemeinschaften zerbrechen und ziehe eine Massenexodus nach sich, so Kräutler.

Außerdem verstoße das Projekt sowohl gegen die Menschenrechte als auch die brasilianische Verfassung. In Altamira, wo sich Kräutlers Bischofssitz befindet, soll gut ein Drittel der Stadt durch die Aufstauung überflutet werden.

Indigene bewirkten durch Besetzungen 91 Tagen Baustopp

Am Montag hatten 140 Indigene vom Munduruku-Stamm bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats die Belo-Monte-Baustelle besetzt. Insgesamt konnte in den vergangenen zwei Jahren aufgrund von Besetzungen an 91 Tagen nicht gearbeitet werden. Die ursprünglich für Februar 2015 geplante Inbetriebnahme der ersten Turbine wird sich deshalb verzögern. Laut Medienberichten sollen die Besetzungen zudem bisher Mehrkosten von umgerechnet gut 400 Millionen Euro verursacht haben. Derzeit sind 23.000 Arbeiter in Belo Monte beschäftigt, bis zum Jahresende sollen es 28.000 sein.

Der Staudamm Belo Monte wird nach seiner Fertigstellung nach dem chinesischen Drei-Schluchten-Damm und dem brasilianisch-paraguayischen Gemeinschaftsprojekt Itaipu der drittgrößte der Welt sein. Die Turbinen und Generatoren des höchst umstrittenen Projekts stammen von der steirischen Andritz AG, die mit einer Auftragshöhe von etwa 330 Millionen Euro beteiligt ist. (APA, 29.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Indigene studieren die Karte der Belo-Monte-Baustelle.

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