Facebook will Vergewaltigungswitze verbannen

29. Mai 2013, 12:56
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Nach massiver Kritik von Usern und Druck aus den Kreisen der Werbekunden gibt Facebook nach

Die Kritik an Facebooks Review-Prozessen bei gemeldeten Postings ist in den letzten Monaten immer lauter geworden. In Italien hat eine Gruppe von Eltern nun eine Sammelklage eingebracht, die Facebook zur Verantwortung ziehen wollen, beleidigende und verbale Übergriffe sexueller Natur nicht gelöscht zu haben. Eine betroffene Jugendliche soll unter anderem deshalb Selbstmord begangen haben.

Massive Kritik in den USA

Auch Frauenrechtsbewegungen in den USA haben sich mit einem offenen Brief an das soziale Netzwerk gewandt. Sie führen auch zahlreiche Beispiele für die gewaltverherrlichenden Postings auf Facebook an. Unter anderem riefen die AktivistInnen Werbekunden dazu auf, die Plattform zu boykottieren. Die Unternehmen selbst werden aber auch aktiv: So hat die finnische Fluggesellschaft Finnair Facebook gebeten, ihre Werbeanzeigen nicht auf Seiten anzuzeigen, die sexuelle Gewalt thematisieren – auch, wenn diese humorvoll zu sein scheint. Andernfalls müsse sich Finnair "eine andere Werbestrategie ohne Facebook" überlegen.

Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen als "Humorthema"

Das Unternehmen hat nun Zugeständnisse gemacht, in Zukunft auch bei "humorvoll gemeinten" Postings stärker zur Zensurkeule zu greifen. Besonders Kommentare und Postings, die Gewalt gegen Frauen und Vergewaltigungen zum Thema haben, sollen künftig eher gelöscht werden. Auf Facebook gibt es aktuell zahlreiche Seiten, die "Humor" auf ihre Art und Weise interpretieren. So gibt es beispielsweise Fotos von verprügelten Frauen, daneben der Spruch: "Ein Drittel aller Frauen wird geschlagen. Zwei Drittel aller Männer machen etwas falsch."

Erste Schritte

Demnach sollen in Zukunft mehr Postings über manuelle Prozesse begutachtet werden und die dafür Verantwortlichen besser geschult werden. Diese Schulungen sollen durch FrauenrechtlerInnen und Rechtsexperten geführt werden. Bei einem "Durchrutschen" von problematischen Kommentaren werden sich die Experten direkt mit Facebook in Verbindung setzen.

User fühlen sich angegriffen

Facebook will sich diesbezüglich deutlich verbessern. Das sagt zumindest Facebooks Policy-Manager Marne Levine. !Die Richtlinien, die von unserem System verwendet wurden, haben versagt, alle Inhalte zu erfassen, die nicht unseren Regeln entsprechen", so Levine. Bislang war es möglich, als "humorvoll" geltende Postings durch das System zu schleusen. Damit soll Schluss sein, denn vor allem rassistische, sexistische und gewaltverherrlichende Postings stoßen bei zahlreichen Usern sauer auf. (red, derStandard.at, 29.5.2013)

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NBC News

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    Facebook gibt dem Druck nach und will künftig stärker zensieren, wenn es um sexuelle Gewalt geht

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