Der Österreichische Fremdschämfonds

29. Mai 2013, 16:48
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Ein Aufruf zur Gründung des "ÖFSF" aus aktuellem Anlass

"Ding Jinhao war hier", verewigte sich ein chinesischer Teenager auf einem Relief in Luxor – und musste bitter dafür büßen. Die Welle der Empörung schwappte dieser Tage  via digitale Medien zurück in sein Heimatland, er wurde ob der Schmiererei bedroht, seine Eltern mussten sich öffentlich entschuldigen, die Causa erreichte schließlich die Regierungsebene. Aus dem persönlichen Gesichtsverlust wurde eine nationale Schande, der Vizepremierminister entschuldigte sich für ungezogene Chinesen, die sich im Ausland nicht zu benehmen wüssten.

Dieses Beispiel sollte Schule machen. Denn andere Nationen sind weitaus weniger zimperlich beim Fehlverhalten ihrer Staatsbürger. Grölende Deutsche auf Malle, Briten, die auf Zypern wegen exzessiven Sonnenbadens ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen,  oder Skandinavier, die den andernorts billigen Alkohol derartig ausgelassen feiern, dass sie sich nur mehr kriechend fortbewegen können. Schlechtes Benehmen im Ausland hat viele Gesichter und muss nicht bis zur Zerstörung von Kulturgütern gehen, um unangenehm aufzufallen. Kehren wir doch vor der eigenen Türe!

Das wär doch was, ein ÖFSF, ein „Österreicher Fremdschämfonds", aus dem bei akutem Fremdschämen für österreichische Mitbürger im Ausland rasch und unbürokratisch Ausgleichszahlungen an die Betroffenen vorgenommen werden könnten.  Hoch dotiert müsste er halt sein. Damit neben dem klimatischen Fußabdruck auch der diplomatische nicht zu groß wird, wenn wir wieder einmal ins Fettnäpfchen steigen. (Tanja Paar, derStandard.at, 29.5.2013)

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    Die Kritzeleien eines chinesischen Teenagers sorgen für weltweite Aufregung.

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