Phänomen 3D-Druck: Zwischen Mythos und Realität

9. Juni 2013, 12:51
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Von Implantaten bis zur Mondbasis reicht das Anwendungsgebiet von 3D-Druckern - doch die Technologie ist noch nicht ausgereift

3D-Druck hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype erfahren. Die Technologie existiert zwar schon seit Jahrzehnten, doch mit der Verfügbarkeit leistbarer Drucker für kleine Werkstätten und Konsumenten ist 3D-Druck zum Mainstream-Thema geworden. Carl Bass, CEO des Software-Entwicklers Autodesk, erklärt in einem Gastbeitrag für Wired das Phänomen 3D-Druck.

Ideen in greifbare Objekte umsetzen

Niemals zuvor habe es eine Technologie gegeben, mit der Ideen so einfach in greifbare Objekte umgesetzt werden konnten. Mit 3D-Druck könnten mühelos die komplexesten Formen hergestellt werden, die mit anderen Fertigungsprozessen nur schwer bis unmöglich wären. Brass geht aber nicht davon aus, dass 3D-Druck andere Technologien ersetzen werde.

Verfahren noch unausgegoren

Um 3D-Druck habe sich eine "magische Aura" entwickelt, beflügelt von Science-Fiction-Technologie wie den Replikatoren aus Star Trek. Doch das Verfahren sei noch unausgegoren. Produktionszeiten, Qualität, die mögliche Größe der druckbaren Objekte und die Verfügbarkeit günstiger Materialien seien stark verbesserungswürdig. Kosten, Zeit und das benötigte Material würden exponentiell ansteigen. Wenn man ein Objekt doppelt so groß drucken wolle, würden die Kosten und die Druckzeit um das Achtfache steigen, so Bass.

Neues Geschäftsmodell für Materialien gefordert

Die Bandbreite der verfügbaren Materialien sei bereits stark gewachsen. Industriegeräte könnten heute neben Plastik auch Metall, Gummi und Keramik verarbeiten. Doch die Kosten für die Materialien seien noch sehr hoch. Hier müsse ein neues Geschäftsmodell geschaffen werden.

Nicht für Massenproduktion

Bass glaubt vor allem nicht, dass 3D-Drucker in der Massenproduktion, also der Herstellung einer großen Anzahl identischer Objekte, Einsatz finden würden. Stattdessen sieht die Technologie eher für Maßanfertigungen geeignet. Das reiche von Elektrobauteilen bis zu medizinischen Anwendungsgebieten oder Architektur.

Luftröhre bis Mondstation

So wurde einem Säugling mit Geburtsfehler erst kürzlich eine künstliche Luftröhre aus dem 3D-Drucker eingesetzt. Auch Harnröhren, Gewebeteile und sogar DNS-Stränge werden laut Bass mit dem Verfahren bereits künstlich hergestellt.

Ein ganz anderes Einsatzgebiet eröffnet sich bei den Plänen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die mit dem Verfahren eine Station auf dem Mond errichten will. Das Material für den 3D-Drucker soll dafür nicht von der Erde zum Mond transportiert werden; als Basis für die Konstruktion soll Mondgestein dienen. Die NASA wiederum forscht an der Pizza aus dem 3D-Drucker.

Persönliche Gegenstände

Der Autodesk-CEO geht davon aus, dass Nutzer in Zukunft ein Objekt mit ihrer Smartphone-Kamera fotografieren und dann am Computer mithilfe entsprechender Software in 3D-Druck-fähige Vorlagen umwandeln, um persönliche Gegenstände herzustellen. Nicht zu vergessen die umstrittene Herstellung von Waffen, die vor allem in den letzten Monaten für viel Aufregung gesorgt hatte.

Produktion kommt nicht in USA und Europa zurück

Für Unternehmen bedeute das, dass Design, Technik und Produktion näher zusammenrücken. Prototypen und kleine Testserien können mithilfe von 3D-Drucker schnell am eigenen Standort angefertigt werden. Doch die Massenproduktion werde damit nicht zurück in die USA oder nach Europa geholt. (red, derStandard.at, 3.6.2013)

  • Mit 3D-Drucker können komplexeste Formen mühelos hergestellt werden.
    foto: ulrich dahl/technische universität berlin

    Mit 3D-Drucker können komplexeste Formen mühelos hergestellt werden.

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