Chefsatiriker im bierernsten Deutschland

Kopf des Tages28. Mai 2013, 21:27
58 Postings

Die Spaßpartei des Martin Sonneborn erringt ihr erstes Mandat

Zugegeben, bei anderen deutschen Protestparteien ging es schneller. Die Grünen wurden 1980 gegründet, 1983 saßen sie schon im Bundestag. Die Piraten fanden 2006 zusammen, 2011 zogen sie in Berlins Landtag ein.

Der Satiriker Martin Sonneborn gründete seine PARTEI (ein Akronym für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) 2004, erst jetzt feiert er den bislang größten Erfolg: Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein schaffte es ein Abgeordneter in die Lübecker Bürgerschaft.

Das gibt Parteichef Sonneborn enormen Auftrieb, schließlich hat er im Herbst Großes vor: Er will bei der Wahl in den Bundestag einziehen - ganz ernsthaft, aber gleichzeitig mit der ihm eigenen satirischen Art. Denn Deutschland den Spiegel vorzuhalten, sei es durch eine Partei oder ein Satiremagazin, das ist Sonneborns Leben.

Geprägt hat den 1965 Geborenen das katholische Milieu seiner Heimatstadt Osnabrück (Niedersachsen). Später studiert er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien sowie Berlin. Die Magisterarbeit über die Wirkung von Satire zeichnet den weiteren Weg vor: Sonneborn geht zum Satiremagazin "Titanic", ist dort von 2000 bis 2005 Chefredakteur.

Unvergessen ist sein "Bestechungsversuch" des FIFA-Exekutivkomitees im Jahr 2000. Da verspricht er den Mitgliedern am Vorabend der Abstimmung über den WM-Austragungsort 2006 per Fax einen Präsentkorb mit Schwarzwälderschinken und Kuckucksuhr, sollte es Deutschland werden. Und es wird ganz knapp Deutschland ...

Aber das größte Satirepotenzial bietet doch die Politik, daher hat Sonneborns Partei seit 2004 alles, was eine echte Partei braucht: ihn selbst als Chef, der allerdings "GröVaZ - Größter Vorsitzender aller Zeiten"  genannt wird. Auch ein Programm, das an das der Grünen angelehnt ist und jede Menge Allgemeinplätze bietet wie etwa die Forderung nach einer "nachhaltigen Reform des Gesundheitswesens" und "umweltpolitisch engagiertem Agieren".

Sonneborn, der die Berliner Mauer wieder aufbauen will und seit 2009 für die ZDF-Satiresendung heute-show arbeitet, ist bereit, mit allen Parteien zu koalieren, außer mit der FDP, denn diese sei ja bloß eine reine Spaßpartei. Eine ernste Daseinsberechtigung aber hat seine Partei. Es sei besser, wenn diese Stimmen bekomme, sagt Sonneborn - und nicht "irgendwelche Rechtsradikalen". (Birgit Baumann, DER STANDARD, 29.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Martin Sonneborn, PARTEI-Gründer.

Share if you care.