Aus die Laus!

Kolumne5. Juni 2013, 13:29
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Pflanzenläuse vermehren sich so schnell, dass einem schwarz wird vor Augen. Hausmittelchen helfen nur, wenn man sie früh genug einsetzt, weiß Gregor Fauma.

Aus den Gärten ist von Gärtnern leises Seufzen zu vernehmen. Dann wieder Stille. Jetzt sind sie alle dabei. Alle stehen sie vor ihren Rosen, falschen Jasminen und Johannisbeersträuchern und stieren auf die jüngsten Triebe und Knospen. Sie heben vorsichtig die erst wenigen Tage jungen Blätter an und kontrollieren die Unterseiten. Laus! Viele Läuse! Unmengen von Läusen, ja, schwarz vor Läusen sind die Triebspitzen, und wie jedes Jahr hallt das Echo der Seufzer und des Wehklagens durch die Gärten. Wieder einmal haben die den Schnabelkerfen zugerechneten Sternorrhyncha oder auch Pflanzenläuse das Dirigat im Garten übernommen. Sie bestimmen den Takt, nach dem zu seufzen ist.

Die Blattläuse sind wahrscheinlich die bekanntesten Vertreter innerhalb der Pflanzenläuse. Und diese Läuse haben Helfer! Es sind die Ameisen, die, wenn sie nicht gerade des Gärtners Wohnung für sich beanspruchen, die Blattläuse betrillern, sie von Pflanz' zu Pflanz' tragen und ihnen die schönsten Stellen zum Saugen zeigen. Als Gegenleistung dürfen die Ameisen ein wenig am After der Läuse rumlecken, denn dort wird der Honigtau ausgeschieden - und das macht die Ameisen ganz wurlert.

Jungfernzeugung statt langem Vorspiel

Aber auch die Pilze stehen auf Honigtau. So kann man davon ausgehen, dass mit "Honigglasur" überzogene Blätter und Triebe ein Schlaraffenland für den Rosenmörder Sternrußtau darstellen. Darüber hinaus übertragen Blattläuse beim Saugen allerlei Viren auf und in die Pflanze. In Summe kann man sagen, dass es weniger der Saftverlust ist, der die Pflanzen stark beeinträchtigt, als die Folgeerkrankungen durch Pilze und Viren.

Die Blattläuse können sich explosionsartig vermehren. Dazu verzichten sie auf langes Vorspiel und Reden im Anschluss, sondern setzen eher auf Jungfernzeugung flügelloser Klone, also ohne Schweinskram und so. Das geht schneller, ist sauberer und erspart jede Menge Zores. Wird der Besatz auf einem Trieb allerdings eines Tages zu dicht, dann setzt die sexuelle Fortpflanzung ein, es kommen Babys mit Flügeln auf die Welt und diese können fortfliegen und neue Gärten mit Honigtau überziehen. So weit, so faszinierend.

Aber was kann man tun, wenn man diese Tiere nicht halten möchte? Man kann sie verwirren! Das Aufstellen von Gelbtafeln irritiert Blattläuse, denn sie fühlen sich von grellem Gelb angezogen. Der Handel bietet solche Tafeln an, an denen die Insekten auch gleich picken bleiben. Leider nicht nur Blattläuse, sondern auch andere Insekten, die auf Gelb stehen.

Die Mär vom Lavendel

Die nächste Methode, das Abspritzen mit scharfem Wasserstrahl, hilft, Zeit zu gewinnen. Es braucht eine Weile, bis die Läuse wieder oben auf der Pflanze sind. Weg sind sie auf jeden Fall nicht. Oft liest man, dass Lavendel neben Rosen einen Befall verhindere. Viele Gärtner halten das für einen Lavendelschmäh und können aus ihrer Erfahrung leider das Gegenteil beweisen.

Nahezu entzückend ist der Tipp, mit Nützlingen zu arbeiten. Marienkäfer, Florfliegen, Gallmücken, Schwebfliegen und ihre Larven ernähren sich von Blattläusen. Bloß dass es Mutter Natur so eingerichtet hat, dass es diese Fressfeinde erst gibt, wenn es ausreichend Blattläuse gibt. Und gegen die nahezu exponentielle Vermehrung der Läuse kommen die Fresserchen nicht an.

Also dann doch Brennnesseltee, Seifenlösungen und Tabaksud? Diese zeigen Wirkung, wenn man rechtzeitig beginnt, seine Pflanzen zu kontrollieren und bei erstem Befall die Blattunterseiten einsprüht. Wenn die Triebe bereits schwarz von Läusen sind, hilft nur, den Trieb abzuschneiden und im Klo runterzuspülen, oder die Läuse mit einer schnellen Bewegung am Trieb selbst zu zerquetschen, zu zerschmieren, zu zerreiben. Ungustiös? Natürlich! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 31.5.2013)

Tipps gegen die Laus:

1) Egal, welche Maßnahme man gegen Blattläuse ergreift, man sollte rechtzeitig - bei geringem Befall - damit beginnen.

2) Auf www.blattlaus.de findet sich viel Wissenswertes über und gegen die Blattläuse.

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    Wenn die Triebe bereits schwarz von Läusen sind, hilft nur, den Trieb abzuschneiden und im Klo runterzuspülen, oder die Läuse mit einer schnellen Bewegung am Trieb selbst zu zerquetschen, zu zerschmieren, zu zerreiben.

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