Österreicher übernimmt Leitung des EU-Militärstabs

28. Mai 2013, 19:31
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Generalleutnant Wosolsobe war zuvor Chef der österreichischen Militärvertretung in Brüssel

Brüssel - Der österreichische Generalleutnant Wolfgang Wosolsobe hat am Dienstag für drei Jahre die Leitung des EU-Militärstabs in Brüssel übernommen. Das 2001 eingerichtete Gremium ist zuständig für die militärische Expertise im Rahmen des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) und arbeitet an EU-Missionen sowie an der Entwicklung militärischer Fähigkeiten der EU. Wosolsobe übernahm den Posten in einer feierlichen Zeremonie von dem niederländischen Generalleutnant Ton van Osch.

Der neue Generaldirektor des EU-Militärstabes sagte, zu den aktuellen Herausforderungen gehöre eine ständig steigende Komplexität der Sicherheitslage. Innerhalb dieser gehe es darum, "den richtigen Platz für das Militär zu finden".

Krisenmanagement sei dabei nicht nur im engeren Sinn zu verstehen, sondern reiche von der Prävention bis zum Aufbau staatlicher Strukturen. Ziel sei es, den Auswärtigen Dienst zu stärken, damit die EU insgesamt mehr Einfluss auf der globalen Bühne habe. Für konkrete Aktionen brauche die EU aber auch die militärischen Fähigkeiten der Mitgliedstaaten.

"Eine Art von Klarstellung"

Vom EU-Gipfel im Dezember erwartet sich Wosolsobe "eine Art von Klarstellung, wie weit wir gehen können", sowohl in der Intensität als auch im Umfang bei militärischen Operationen der EU. Dabei müsse die Europäische Sicherheitsstrategie nicht neu gefasst werden. Ein Fokus liege auch auf der Entwicklung der militärischen Fähigkeiten. Es gehe um eine "bessere Sichtbarkeit der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Wir brauchen eine breitere öffentliche Unterstützung".

Osch sagte, in den vergangenen vier Jahren seien die Verteidigungsbudgets der EU-Staaten um insgesamt 30 Milliarden Euro gekürzt worden. Vor diesem Hintergrund sei die gemeinsame Nutzung militärischer Ausrüstung unter dem Konzept "pooling and sharing" wichtig. Die EU habe hier schon Initiativen entwickelt, diese seien aber noch nicht ausreichend.

Beide Generäle bezeichneten das bestehende informelle Verhältnis des EU-Militärstabs zur NATO als gut. "Wir duplizieren nichts, auch nicht in Bereichen, wo die NATO nicht involviert ist", sagte Osch. Wosolsobe betonte, er wolle die Partnerschaft mit der NATO weiter stärken. 22 der bald 28 EU-Staaten seien auch NATO-Mitglieder. Die Truppen müssten allein deshalb schon kompatibel sein.

Zu den Erfolgen während seiner Amtszeit zählte Osch die Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" der EU am Horn von Afrika, die durch eine militärische Trainingsmission in Somalia unterstützt wird. Die EU-Außenpolitikbeauftragte Catherine Ashton betonte, ohne den Militärstab "wäre die EU nicht in der Lage, ihren Beitrag zur Sicherheit- und Friedenserhaltung im Balkan, Mali oder Somalia zu leisten". Wosolsobe sei "mit seiner beeindruckenden Karriere ein idealer Nachfolger für General van Osch und für die Leitung des Militärstabes der EU".

Wosolsobe leitete von 2007 bis Jahresbeginn die österreichische Militärvertretung in Brüssel. Im April 2012 nominierte ihn der EU-Militärrat für die Position des Generaldirektors. Wosolsobe, 1955 in Wien geboren, begann seine militärische Laufbahn 1974 an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Von 1992 bis 1997 war er Verteidigungsattache in Paris. (APA, 28.5.2013)

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    Wolfgang Wosolsobe, Generalleutnant

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