Wählerschwund für Beppe Grillo: In die Wüste geschickt

Kommentar28. Mai 2013, 18:27
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Die Schuld an seinem raschen Niedergang dürfte Grillo selbst tragen

Die Liebe der Italiener zu Idolen kann überschwänglich sein. Doch so schnell und hoch man sie auch in den Himmel gelobt hat, so rasch und gnadenlos können sie wieder fallengelassen werden - das ist nicht nur bei Formel-1-Piloten so oder bei Fußballtrainern. Auch in der Politik hat dieses Prinzip längst Einzug gehalten.

Gestern noch ein Messias (der wievielte eigentlich?), wird Beppe Grillo heute schon wieder in die Wüste geschickt. Wenig ist übrig vom Triumph vergangener Monate, als dem zornigen Starkomiker ein Viertel aller Italiener bei den Parlamentswahlen im Februar das Vertrauen schenkte. Schon bei den Regionalwahlen im Friaul zeichnete es sich ab, und jetzt wurde es bei den Kommunalwahlen bestätigt: Auch Grillo hat nicht ein einziges Rezept zu bieten, um die Probleme des Landes zu lösen. Die Italiener verstehen das. Und sie ziehen die Konsequenzen.

Die Schuld an seinem raschen Niedergang dürfte Grillo selbst tragen. Es ist eben fatal, zu Wahlen anzutreten, dann aber jede Form von demokratischem Diskurs zu verweigern. Die Wähler wissen genau, dass Italien inmitten seiner heftigsten Krise nicht die Zeit hat, sich in Machtspielchen zu verlieren. Leidtragender ist aber nicht bloß Grillo: Auch die "alten" Parteien, die bisher kaum Ansätze von Umdenken und Neubeginn erkennen ließen, werden abgestraft. Italiens Bürger wenden sich wieder einmal von der Politik ab – bis der nächste Messias die Szene betritt. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 29.5.2013)

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