Warum Lachen ansteckend ist

28. Mai 2013, 18:49
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Grazer Psychologen sind dem kollektiven Erleben von Emotionen auf der Spur

Menschen erkennen gewöhnlich nicht nur die Emotion, die andere verspüren, sie können diese auch unbewusst übernehmen. Nicht nur Lachen ist ansteckend. Rührung, Freude oder Schock können nicht nur im Kino zu einem kollektiven Erlebnis werden. Aber wie funktioniert das menschliche Gehirn beim Mitweinen bei einem Liebesfilm, und warum neigen manche Menschen eher zu solchen unwillkürlichen Übernahmen eines emotionalen Zustands als andere?

Eine Gruppe von Psychologen unter der Leitung von Ilona Papousek von der Universität Graz will nun im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Gehirn und Verhalten" herausfinden, was bei der Übernahme von Emotionen genau im Gehirn passiert. "Der Emotionsausdruck eines Gegenübers kann Menschen sprichwörtlich anstecken", sagt Papousek. Diese "Emotionale Ansteckung" stellt einen vollständig automatisierten Prozess dar.

Papouseks Forschungsgruppe, die sich mit dem Thema "Emotionsregulation" beschäftigt, hat in den jüngsten Studien unter anderem Probanden kurze Filme vorgespielt und dann die Daten zur Hirnaktivität, die über das Elektroenzephalogramm ermittelt wurden, ausgewertet. Hier gibt es Hinweise, dass vor allem das Frontalhirn als Regulator von Emotionsinformation tätig ist.

"Der präfrontale Cortex ist quasi der Lautstärkeregler für die emotionalen Signale. Er moduliert die Informationen, die über den posterioren Cortex ins Gehirn kommen und kann sie hinauf- oder hinunterregulieren", erklärt Papousek. Je weniger Einfluss das Frontalhirn nimmt, umso eher schlägt die emotionelle Information durch, und der Mensch fühlt sich förmlich vom Gefühl überwältigt, vermutet die Grazer Wissenschafterin.

"Dieser Mechanismus der Top-down-Kontrolle ist von Mensch zu Menschen unterschiedlich ausgeprägt – weshalb manche von Emotionen anderer nahezu unbeeindruckt bleiben und andere die Situation wie ihre eigene erleben", sagt Papousek zu ihren bisherigen Ergebnissen. "Hier kommt es zu einer verstärkten Koppelung zwischen den beiden Regionen des Gehirns."

Die Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Personen mit einer Persönlichkeitsstörung stärker empfänglich sind für die Gefühle von anderen Menschen in ihrer Umgebung – vor allem für negative Gefühle und besonders für Ärger. (APA, pum, DER STANDARD, 29./30.5.2013)

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