Werbeverbote: WHO sagt Tabakindustrie Kampf an

28. Mai 2013, 18:20
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Auch wenn die klassische Werbung für Zigaretten mittlerweile praktisch verboten ist, fordert die Weltgesundheitsorganisation anlässlich des Weltnichtrauchertages eine Ausweitung. Auch Produkte wie Camel-Boots sollen illegal werden

Wien - Die Pads heißen "Gold" oder "Dragon", und würde George Clooney für die Werbung so tun, als sei er Raucher, würde er sich wohl für die Geschmacksrichtung "Cooler" entscheiden. Was aber nie geschehen wird, weil Reklame für Tabakkonsum EU-weit verboten ist. Das neue Produkt des Konzerns Japan Tobacco International (der Austria Tabak inhaliert hat) will jedenfalls stylish sein. In das Ploom genannte Gerät in Füllhalterform werden kleine Tabakpads eingelegt, der Inhalt wird elektrisch erhitzt, aber nicht verbrannt, statt Rauch entsteht Dampf. Der Akku reicht für rund vier E-Zigaretten-Pausen und wird über USB- Anschluss aufgeladen.

Abgesehen davon, dass Mediziner anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai davor warnen, dass es bei diversen elektronischen Rauchersatzutensilien keine unabhängigen Qualitätskontrollen gebe, wird Ploom wegen des beträchtlichen technischen Aufwands wohl auch bei Rauchern nicht wirklich einschlagen. Derzeit wird das Ding samt Kabel um 24,90 Euro (zwölf Tabakkapseln kosten fünf Euro) in ausgewählten Trafiken wie etwa im Einkaufszentrum Wien-Mitte, angeboten - und ist ein Ladenhüter.

Neue Pfründe

Ploom zeigt aber, dass die Tabakindustrie mit Nachdruck versucht, neue Pfründe zu erschließen. Der heimische Marktleader Philip Morris International meldete im ersten Quartal einen Gewinnrückgang von zwei Prozent. Auch die Imperial Tobacco Group hat im ersten Geschäftshalbjahr verglichen mit 2012 um 6,5 Prozent weniger verdient. Der Absatz von Tabakwaren ist zwar weltweit rückläufig, aber immer noch ein Milliardengeschäft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert zum diesjährigen "World No Tobacco Day", das Werbe- und Sponsoringverbot für die Tabakindustrie auszuweiten. In Österreich herrschten diesbezüglich schon strenge Restriktionen, heißt es bei der Wirtschaftskammer. Werbung für Tabak samt Hinweisen auf die Gesundheitsschädlichkeit des Konsums ist praktisch nur mehr direkt in Trafiken erlaubt. Auf rauchende Promis und Leistungssportler müssen Werber verzichten, kommen Personen in der Reklame vor, müssen diese mehr als 30 Jahre alt sein und dürfen auch nicht jünger aussehen.

Marlboro-Jeans und Camel-Boots

Comics und alles andere, was eher Jugendliche anspricht, ist in der Tabakwerbung ebenfalls nicht erlaubt. TV- und Radiowerbung fürs Rauchen sind schon längst Geschichte. Nur in Druckwerken, die außerhalb der EU produziert werden, dürfen Zigarettenhersteller rein theoretisch noch Inserate schalten.

Die WHO, die auch den Umstieg auf andere Marketingprodukte wie zum Beispiel Camel-Boots, Marlboro-Jeans und Davidoff-Parfüm verhindern will, warnt mit drastischen Worten vor der "Tabak-Epidemie", der weltweit pro Jahr sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen. Ein Zehntel davon sterbe durch Passivrauchen.

14.000 Rauchtote im Land

In Österreich sterben laut Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger jährlich etwa 14.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Rund ein Drittel der Bevölkerung raucht regelmäßig, weitere zehn Prozent gelegentlich, hat eine Umfrage der Krebshilfe im Vorjahr ergeben. Männer greifen demnach überdurchschnittlich oft (38 Prozent) zur Zigarette, Frauen seltener (28 Prozent).

Problemkinder bleiben nach wie vor junge Frauen, in der Altersstufe 15 bis 18 haben Raucherinnen Raucher schon überholt. Die nun zu Ende gehende Antirauchkampagne des Hauptverbands "Dein Tipp für Julia" richtete sich deshalb an diese Zielgruppe. Mit interaktiven Videos bat die Protagonistin Julia um Tipps, um mit dem Rauchen aufhören zu können. Fast jeder zweite Raucher in Österreich wollte schon einmal ernsthaft aufhören.

Österreichs Tabakgesetz bleibt wie es ist

Am heimischen Tabakgesetz soll sich vorläufig nichts ändern, heißt es im Gesundheitsministerium. Vor allem die Diskussion um Nichtraucherschutz in Lokalen hatte in den vergangenen Jahren für heftige Diskussionen gesorgt. Seit 2009 muss der Hauptraum eines Lokals grundsätzlich rauchfrei und baulich vom etwaigen Raucherbereich abgetrennt sein.

Ist das Lokal kleiner als 50 Quadratmeter, können Wirtin und Wirt selbst entscheiden, ob gepofelt werden darf oder nicht. Im Ernstfall werden nicht die Raucher, sondern die Lokalbetreiber mit bis zu 2000 Euro von den Bezirksverwaltungsbehörden bestraft. Seit 2009 wurden österreichweit an die 20.000 Anzeigen wegen angeblicher Verstöße gegen das Tabakgesetz erstattet - zuletzt auch gegen die Kantine des Wiener Straflandesgerichts. (Michael Simoner, DER STANDARD, 29.5.2013)

  • Die Sucht der Raucher ist ein Milliardengeschäft. Millionen Menschen sterben weltweit an den Folgen des Tabakkonsums.
    grafik: der standard

    Die Sucht der Raucher ist ein Milliardengeschäft. Millionen Menschen sterben weltweit an den Folgen des Tabakkonsums.

  • Die Weltgesundheitsorganisation wünscht sich, dass Markennamen bekannter Sorten endgültig aus der Öffentlichkeit verbannt werden.
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    Die Weltgesundheitsorganisation wünscht sich, dass Markennamen bekannter Sorten endgültig aus der Öffentlichkeit verbannt werden.

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