Der geheimnisvolle Finalist

28. Mai 2013, 18:07
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Am Donnerstag kickt Meister Austria Wien im Happel gegen Drittligist Pasching um den Cup. Der Außenseiter, bei dem Red Bull involviert ist, gibt einige Rätsel auf

Wien - Da bereichert erstmals in der 78-jährigen Geschichte des österreichischen Fußballcups ein Drittligist das Finale, und die Stimmung beim FC Pasching ist nicht gerade ausufernd. Klubpräsident Martin Hengstschläger, ein Anwalt in Linz, sagt doch glatt, dass man das Saisonziel leider verfehlt habe. Es wäre der Aufstieg in die Erste Liga gewesen. Der gemeine LASK dürfte allerdings Meister der Regionalliga Mitte werden. Beim Schlusslicht Leoben reicht am Freitag ein lachhaftes Pünktchen, dann wäre Pasching nur Zweiter. Der 46-jährige Hengstschläger war als Bub LASK-Fan: "Die lassen sich das nicht mehr nehmen." Die Linzer müssten noch in der Relegation gegen Liefering um den Aufstieg kicken. Liefering ist das Farmteam von Red Bull Salzburg.

80 Prozent des Budgets von Red Bull

Pasching ist übrigens auch Red Bull, aber laut Hengstschläger anders. "Sie sind nur ein normaler Sponsor." Der Präsident streitet freilich nicht ab, "dass Red Bull mehr als 80 Prozent unseres Budgets abdeckt". Eine Summe nennt er nicht. "Das hat nichts mit Geheimniskrämerei zu tun." Auf der Homepage scheint der Getränkekonzern nicht auf, die Paschinger Dressen und das Waldstadion dienen ihm nicht als Werbefläche. Was für einen Sinn dieses Sponsoring hat? Hengstschläger: "Damit beschäftige ich mich nicht. Wir haben keine Rechnungen offen, zahlen pünktlich. Pasching ist mehr als ein Einkaufszentrum und ein Vorort von Linz."

Bei der offiziellen Pressekonferenz in Wien sagte Trainer Gerald Baumgartner, die Entscheidung, ob er bleibt, falle in Salzburg. Hengstschläger zum Standard: "Ich war über diese Formulierung nicht glücklich." Zusatz: "Der ÖFB hat uns schon zweimal geprüft und hat nichts beanstandet." Die Uefa verbietet, dass zwei Vereine unter Abhängigkeit eines Konzerns an ihren Wettbewerben teilnehmen. Der Präsident sieht auch dieser Prüfung "gelassen" entgegen.

Pasching wird in jedem Fall in der Europa League kicken. Als Cupsieger würde man erst im Playoff einsteigen, als Verlierer in der zweiten Qualifikationsrunde. "Das war alles nicht geplant", sagt Hengstschläger. " Wir werden wohl auch nicht zusätzlich investieren." Die Entscheidung darüber fällt vermutlich in Salzburg.

Erst Rapid, dann RB Salzburg

Das Finale werde aber schon ein "Highlight" sein. Die Paschinger reisen bereits am Mittwoch an. "Ein Abschlusstraining im Happel-Stadion lassen wir uns nicht nehmen." Im Viertelfinale wurde Rapid hochverdient mit 1:0 gedemütigt, im Halbfinale Red Bull Salzburg verdient mit 2:1 erniedrigt. Hengstschläger: "Ein Beleg dafür, dass wir selbstständig sind." Der Sponsorvertrag mit Red Bull endet Mitte 2014, abgeschlossen wurde er im Dezember 2011. Hengstschläger ist seit einem Jahr Präsident. "Weil mich ein Freund gebeten hat."

Der zweite Finalist, Austria Wien, ist jedenfalls durchschaubarer. Am frühen Dienstagabend wurde auf dem Rathausplatz der 24. Meistertitel öffentlich, also mit den Fans (inklusive Bürgermeister Michael Häupl), gefeiert. Trainer Peter Stöger ist für den Donnerstag zuversichtlich. " Die Stunden an Schlaf nehmen wieder zu, wir sind konzentriert und nicht überheblich. Wir haben Respekt, sollten aber doch gewinnen." Es wäre der 28. Cupsieg und das elfte Double. Kapitän Manuel Ortlechner: "Diese Chance bekommt man nicht oft im Sportlerleben."

Die Finalisten kassieren jeweils 200.000 Euro an Prämien, diese Summe wird von Pasching bestätigt. Noch einmal Stöger: "Achtung. Das ist sicher keine klassische Regionalligamannschaft." (Christian Hackl, DER STANDARD. 29.5.2013)

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    Paschings Präsident Martin Hengstschläger hat das Cupfinale gar nicht eingeplant.

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