Syrien: Lockerung von EU-Embargo spült Öldollars in Kassen von Al Kaida-Ableger

Analyse30. Mai 2013, 12:01
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Die Versuche der Europäer, den Aufstand gegen Syriens Assad-Regime zu unterstützen, zeitigen schon jetzt eher paradoxe Resultate

Damaskus/Wien - Paradoxe Resultate von EU-Versuchen, dem Aufstand gegen Assad zu helfen, gibt es bereits: Die Aufhebung des Ölembargos, die der syrischen Opposition ihre eigene Finanzierung erlauben sollte, kommt - so zitiert der Guardian den amerikanischen Syrien-Experten Joshua Landis - vor allem der mit Al-Kaida affiliierten Nusra-Front zugute. Und die Aussicht aufs Ölgeschäft mit der EU bringt neue kriegerische Auseinandersetzungen hervor.

Die syrischen Ölvorkommen befinden sich hauptsächlich bei Deir al-Zor und Hassakeh, das sind Gebiete, die ursprünglich von sunnitischen Stämmen respektive von der PKK-verbündeten kurdischen PYD (Demokratische Unionspartei) kontrolliert werden. Die radikalen Islamisten, besonders die Jabhat al-Nusra, dominieren jedoch mittlerweile weite Gebiete und, so schreibt der Guardian, ein Gros der Ölquellen. Die Nusra arbeite, um ihre Position finanziell abzusichern, durchaus auch mit dem Assad-Regime zusammen. Demnach bezahle das Regime monatlich rund 1,2 Millionen Euro an die Extremisten, damit sie den Ölfluss nach Damaskus nicht unterbrechen.

Nebenher entstehen neue kriegerische Auseinandersetzungen: Die Rebellen beginnen untereinander, um die Ölquellen zu kämpfen. Wenn dies nun ein Weg wäre, wie die sunnitischen Stämme die Extremisten der Nusra-Front wieder loswerden, würde das niemand bedauern. Aber aus den Stammesführern werden schnell Warlords, wie man sie aus Afghanistan kennt: Die Öleinnahmen gehen auch nicht etwa an die Free Syrien Army und an die Opposition, sondern in den Waffenhandel, weil da noch mehr Geld zu machen ist. Wo die Waffen landen, ist sekundär. Auch die Stämme schließen bereits Deals mit Assad, ähnlich der Nusra, berichtet der türkische Star.

Die PYD - die, weil türkeifeindlich, der Rebellion skeptisch gegenübersteht und im Kriegsgeschehen ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen versucht - kontrolliert etwa 60 Prozent der Ölquellen in Hassakeh und den Handel an und über die Grenze. Dass die PYD beschuldigt wird, mit dem Assad-Regime Geschäfte zu machen, versteht sich von selbst.

Aber auch in Hassakeh hat die Aussicht auf die Belebung des Geschäfts zu vermehrten Kämpfen zwischen PYD und arabischen Rebellengruppen geführt. Es gibt aber auch Spannungen über die Grenze hinüber, mit dem Präsidenten der nordirakischen Regionalregierung Massud Barzani, der im Vorjahr zwischen der PYD und anderen syrischen Kurdengruppen vermittelt hatte. Vor kurzem hat der militärische Zweig der PYD, die YPG (Volksverteidigungseinheiten), 75 Kurden festgenommen, die einer Barzani nahestehenden Partei, der syrischen KDP, angehören. Barzani hat daraufhin die Grenze schließen lassen. Die mit der PYD verbündete PKK ist aber auf Barzanis Kooperation und Gastfreundschaft im Nordirak angewiesen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 29.5.2013)

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    Die Ölanlage Deriq in den von kurdischen Milizen kontrollierten Gebieten im Nordosten Syriens.

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    Kämpfer der Free Syrian Army bei einem Camp von regimenahen Milizen, das sie zuvor eingenommen hatten. In den von Rebellen kontrollierten Gebieten kommt es zu internen Kämpfen.

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