Das Gros im roten Bereich

29. Mai 2013, 12:00
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Forschungsrat legt Bericht zur wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit vor

Die Bundesregierung hat sich 2011 in ihrer Strategie für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) das Ziel gesetzt, bis 2020 zu den führenden europäischen Ländern im Innovationsbereich vorzustoßen. Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) hat in seinem "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs" anhand von 65 Indikatoren die Entfernung zu diesem Ziel und die Chancen es zu erreichen berechnet. In wichtigen Bereichen wie dem Bildungssystem oder der Hochschulforschung fällte Ratsmitglied Markus Hengstschläger mit den Worten "eine Schande" und "katastrophal" ein vernichtendes Urteil.

Ratsvorsitzender Hannes Androsch betonte, konkret seien jährlich zusätzlich 300 Mio. Euro notwendig, um das Ziel einer Forschungsquote von 3,76 Prozent des BIP (2013: 2,81 Prozent) bis 2020 zu erreichen.

Der Rat hat in Kooperation mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und in Abstimmung mit den betroffenen Ressorts eine Reihe von Indikatoren entwickelt, um die Performance Österreichs im internationalen Vergleich sowie die Fortschritte bei der Erreichung der Strategieziele beurteilen zu können. Dabei zeigte sich, dass bei einem Großteil der Indikatoren das Ziel noch nicht erreicht wurde und auch die Chancen dafür bis 2020 schlecht stehen.

Nach den einzelnen Zielen der Strategie aufgeschlüsselt ergibt sich: Im Bildungsbereich hat Österreich bereits in einigen Indikatoren wie den "Frühen Schulabgängern" oder dem "Betreuungsverhältnis Primarstufe" das Ziel erreicht und wird auch vorne bleiben. Das Gros der Bildungsindikatoren findet sich allerdings im roten Bereich. Hengstschläger: "Man müsste weinen."

Im tertiären Bildungssystem rechnet der Forschungsrat mit dem Erreichen der Ziele bei einigen Indikatoren wie dem Frauenanteil unter den Forschern oder den Absolventen in naturwissenschaftlichen Fächern (MINT), in vielen Bereichen wie den Hochschulabsolventen, der Immigration Hochqualifizierter oder den Hochschulausgaben pro Student dürfte das nicht der Fall sein. Nahezu vollständig im roten Bereich finden sich die Indikatoren bei der Grundlagenforschung. Etwas besser sieht es im Bereich "Wissen verwerten" aus. Hier gibt es bereits eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, bei der Forschungsintensität der Wirtschaft dürften die Ziele erreicht werden - im Gegensatz zu Bereichen wie Risikokapital. (APA, red, DER STANDARD, 29./30.5.2013)

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