"Für Jörg gekocht?"

28. Mai 2013, 17:40
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Dass dem TV-Boulevard Politik allein nicht mehr genügt, lässt Steigerungen befürchten

Womöglich verknüpfen unzählige Bürger, die BZÖ-Cheflastenträger Josef Bucher kochend erlebten, in der Wahlzelle mit seinem Namen jene von ihm bei Puls 4 zubereitete Hühnerbrust. Womöglich empfinden sie die politisch-kulinarische Vorstellung auch als angenehm und wählen dann tatsächlich Buchers Gemeinschaft. Das wäre untersuchenswert.

Bucher jedenfalls wird man schwer vorwerfen können, nicht alles getan zu haben, um als Politkoch stressresistent zu wirken. Rezept für Österreich unterzieht ja Politik einer die Würde bedrängenden Doppelbelastung: Während Bucher seine Zwiebel schnitt und Gemüse in der erhitzten Pfanne vor dem Verbrennen bewahrte, gab's keine Frageruhe. Bereut, in die Politik gegangen zu sein? Im Nachhinein enttäuscht von Jörg Haider? Für Jörg gekocht? Wie ist das mit den Stronach-Flüchtlingen? Da hätte - unterstützt vom Zwiebelschneiden - auch eine Träne die Bucherwange herabkullern dürfen.

Der Mann blieb indes trocken und durfte, während das Hühnchen seiner Essform entgegenbrutzelte, an den Tisch zu Anneliese Rohrer und Corinna Milborn, die Schreckliches versprach ("Sie haben gekocht, jetzt werden Sie gegrillt!"). Es folgte sodann allerdings der obligate Polittalkteil.

Dennoch: Dass dem TV-Boulevard Politik allein nicht mehr genügt, lässt Steigerungen befürchten. Wird der Wahlkämpfer dereinst auf dem Laufband schwitzend kochen und Fragen beantworten? Wird er seine Antworten demnächst im Handstand singend vortragen? Zahllose mediale Foltermethoden sind vorstellbar. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 29./30.5.2013)

  • Bucher jedenfalls wird man schwer vorwerfen können, nicht alles getan zu haben, um als Politkoch stressresistent zu wirken.
    foto: screenshot/puls 4

    Bucher jedenfalls wird man schwer vorwerfen können, nicht alles getan zu haben, um als Politkoch stressresistent zu wirken.

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