Lehrer sollen zwischen altem und neuem Dienstrecht wählen können

28. Mai 2013, 16:52
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Fünfjährige Frist - Klassenvorstände und Mentoren müssen eine Stunde weniger unterrichten

Wien - Angehende Lehrer sollen fünf Jahre lang wählen können, ob für sie das (derzeit noch in Verhandlung befindliche) neue oder das aktuelle Dienstrecht gelten soll. Das sieht ein nachgebessertes Angebot der Regierung an die Gewerkschaft vor, bestätigten Verhandlungskreise gegenüber der APA einen Vorabbericht der Tageszeitung "Österreich" (Mittwoch-Ausgabe). Bei den Gehaltstabellen hat sich dagegen gegenüber dem Ursprungsangebot kaum etwas geändert.

Das im Mai 2012 vorgelegte Modell der Regierung wurde bereits zwei Mal adaptiert: So sollen angehende Lehrer in der einjährigen Berufseinführungsphase (Induktionsphase) nicht ein verringertes Gehalt, sondern die als Starteinkommen für alle Lehrer vorgesehenen 2.420 Euro erhalten. Außerdem soll laut Regierungsvorschlag die geforderte Anhebung bei der Unterrichtsverpflichtung von derzeit 20 bis 22 auf 24 Stunden nicht bei allen Lehrern voll durchschlagen. Klassenvorstände (und damit de facto alle Volksschullehrer) und Mentoren sollen sich dadurch eine Stunde ersparen.

Erhalt der Prüfungstaxen

Als weiteres Entgegenkommen sieht man in Verhandlungskreisen den Erhalt der Prüfungstaxen in der Sekundarstufe II, was für Lehrer, die die Matura abnehmen, aus Sicht der Regierung de facto ein zusätzliches Monatsgehalt bringe. Außerdem seien die Zulagen für Schulleiter angehoben werden.

Beim Gehalt sind sich Regierung und Lehrer nur über das Grundprinzip einig: Die Anfangsgehälter sollen angehoben, die Gehaltskurve abgeflacht und das Lebenseinkommen nicht verringert werden. Schon bei der Berechnungsmethode scheiden sich jedoch die Geister: Die Gewerkschaft geht nämlich wie bisher davon aus, dass das von der Regierung vorgeschlagene Gehaltsschema für Lehrer einen Verlust von 300.000 bis 400.000 Euro über das gesamte Leben gerechnet bedeuten würde. Berechnungen der Regierung gehen indes von einem Gehaltsplus von 5,5 Prozent (Volksschule) über 10,4 Prozent (AHS-Langform) bis zu 13,2 (Hauptschule) und 14,2 Prozent (berufsbildende höhere Schule, BHS) aus.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Hintergrund der Differenzen: Die Regierung rechnet mit der Methode des Barwerts, der besagt, welchen Wert künftige Zahlungen in der Gegenwart haben. Damit soll bei der Darstellung von zukünftigen Zahlungen der Zeitfaktor und damit die Verzinsung berücksichtigt werden. So soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Lehrer in jungen Jahren mehr verdienen als bisher und diesen Mehrverdienst entsprechend anlegen können. Der Anstieg der Anfangsgehälter wird von der Regierung nach dieser Methode mit vier Prozent pro Jahr verzinst. Für die Gewerkschaft ist diese Methode allerdings völlig unangemessen. "Das ist kein Kapital, sondern ein Arbeitslohn", kritisiert Chefverhandler Paul Kimberger (FCG). "Es ist zynisch, das Anfangsgehalt anzuheben und den Lehrern das Geld mit Finanztricks dann wieder wegzunehmen."

Der Regierungsvorschlag sieht unter anderem ein Einstiegs-Grundgehalt von 2.420 Euro brutto und ein Endgehalt von 4.330 Euro für alle Lehrer vor, unabhängig von Schultyp oder Fach. Das Anfangsgehalt der Lehrer läge damit über, das Endgehalt unter dem derzeitigen Verdienst. Allerdings würden nach dem neuen Schema unterschiedliche Zulagen nach Fächern, Schulstufe und Zusatzaufgaben hinzukommen. Allein durch die Fächerzulagen können Lehrer im Extremfall - wenn sie nur Hauptfächer in der Oberstufe unterrichten - auf ein Plus von rund 800 Euro kommen. (APA, 28.5.2013)

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