"Wir nennen es Targeting, in Wirklichkeit ist es Stalking"

Interview mit Video2. Juni 2013, 18:33
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Agenturlegende Thomas Koch über Dynamiken in der Agenturlandschaft, liberale Datenschutzrichtlinien und die Abwehrhaltung der Print-Macher

Thomas Koch ist seit 40 Jahren erfolgreich im Medienbusiness aktiv. Machte er einst als mächtiger Mediaagenturchef von sich reden, ist er heute vor allem in der Beratung von Unternehmen und Medienhäusern aktiv. Zudem gibt er regelmäßig seine Expertise in Branchenblättern wie "Kress", "W&V" und dem "Handelsblatt" ab.

Im Rahmen der "Creative Printing 2013"-Konferenz hielt Koch in Wien einen Vortrag über die Zukunft der Medien. derStandard.at konnte im anschließenden Interview mehr über seinen Blick auf die aktuellen Vorgänge in der Werbewelt erfahren.

Kräfteverhältnisse

Wenn Kochs Einschätzung stimmt, steht der große Umbruch in der Agenturlandschaft erst bevor. Seiner Meinung nach sollte die Trennung von Mediaagenturen und Werbeagenturen der Vergangenheit angehören, Zusammenarbeit sei heute mehr gefragt denn je. Schließlich würden es die Kunden vermissen, mit einer Agentur zu arbeiten, die alles kann.

Als zweiten Trend diagnostizierte Koch im Interview den Trend, die Mediaplanung zurück ins eigene Haus zu holen. Grund dafür sei die Marktbeherrschung durch wenige globale Player, außerdem würden immer mehr Kunden ihre wertvollen Kundendaten nicht mehr in die Hände der Mediaagenturen geben wollen.

Koch über aktuelle Zustände der Agenturlandschaft, Targeting, die Adblocker-Initative und die taktischen Versuche von Print-Machern, Online das wichtigste Asset zu nehmen.

Beim Thema Datenschutzrichtlinien pocht Koch auf eine liberale Lösung, wobei diese mit neuen Regeln für Online-Werber einhergehen sollte, denn: "Wir nennen es Targeting, in Wirklichkeit ist es Stalking." (Tatjana Rauth, derStandard.at, 2.6.2013)

Thomas Koch gründete in den 80er Jahren mit Thomaskochmedia die größte unabhängige Mediaagentur Deutschlands. 2002 fusionierte er mit Starcom zu tkmStarcom und wurde daraufhin zur sechstgrößten Mediaagentur des Landes. 2007 verließ er das Unternehmen und stieg 2008 als Mitglied der Geschäftsleitung bei Crossmedia ein. Seit Jänner 2011 konzentriert er sich mit seiner Beratungsfirma tk-one auf die individuelle Betreueung von Unternehmen und Medienhäusern. Parallel unterstützt Koch mit seiner Organisation Plural regierungsunabhängige Medien in Krisengebieten bei der Mediaplanung.

  • Thomas Koch zur Adblocker-Initiative: "Ein Bumerang sondergleichen. Das war schon ziemlich lustig."
    foto: derstandard.at

    Thomas Koch zur Adblocker-Initiative: "Ein Bumerang sondergleichen. Das war schon ziemlich lustig."

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