WordPress ist 10: Als die User das Publizieren lernten

28. Mai 2013, 14:49
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Oft genutztes Blog-System: Vom kleinen Privatblog bis zur New York Times

Das Content Management System WordPress begeht seinen zehnten Geburtstag. Die Open Source-Software hat im Laufe dieser Zeit sichtbare Spuren im Netz hinterlassen und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.

Vielgenutzter Web-Motor

Was einst als relativ simple Blogplattform mit grundsätzlichen Funktionen begann, ist heute ein umfassendes Instrument, mit dem sich weit mehr bewerkstelligen lässt, als nur ein Online-Notizbuch. Auch verschiedene Medien arbeiten heute damit, darunter etwa Techportale wie TechCrunch. Die altehrwürdige New York Times verwendet die Plattform zum Betrieb ihrer eigenen über 60 Blogs, detto das Wall Street Journal. Und selbst US Army nutzt es.

Laut der WordPress-Veteranin Judith Kallos steckt das System hinter beinahe jedem zweiten der hundert meistgelesensten Blogs und steckt hinter 18,2 Prozent aller Webseiten, deren Content Management System sich feststellen lässt. Pro Tag werden damit 500.000 neue Einträge geschrieben.

Quasi-Nachfolger von b2

Ins Leben gerufen hat WordPress Matt Mullenweg. Die Entwicklung der von ihm damals zum Bloggen verwendeten Software b2/cafelog wurde eingestellt und passende Alternativen gab es für ihn nicht. Weil auch b2 freie Software war, tat er sich, wie die Zeit zusammenfasst, mit Mike Little zusammen und baute seine eigene Variante. Diese wurde am 27. Mai 2003 vorgestellt und nennt sich seit Anfang 2004 "WordPress".

Vom Open Source-Projekt zur Firma

Heute hängt an WordPress ein ganzes Unternehmen namens Automattic, das eine Reihe von Projekten verfolgt und Web-Dienstleistungen anbietet. Eine davon ist die Bloghostingplattform auf wordpress.com. Wer sich ein Blog zulegen kann, ist dort nach wenigen Klicks startbereit, gemäß dem offiziellen Zähler sind es mittlerweile mehr als 66 Millionen.

Wagt man eine Reise durch das große Sammelsurium, so lassen sich auch Anfang und Ende diverser Netztrends und Memes darin nachvollziehen – Katzenblogs inklusive. Doch auch ernste Einblicke, etwa von Augenzeugen der arabischen Revolutionen der vergangenen Jahre, finden sich dort.

Automattic verdient durch Werbeeinblendungen mit. Alternativ gibt es auch eine kostenpflichtige Ausgabe des Services, bei welcher die Werbung entfernt ist, man selbst an Einblendungen verdienen darf und auch verschiedene Restriktionen aufgehoben sind.

Do It Yourself

Die Software ist aber weiter quelloffen, wer möchte kann sich auf wordpress.org das aktuelle Paket nebst Sprachdateien herunterladen und damit eine Website einrichten. Viele Hostinganbieter ermöglichen das Aufsetzen einer WordPress-Plattform mittlerweile über ihr Backend mit wenigen Klicks.

Umgebaut werden kann das System nach Herzenslust. Relativ einfach geht dies über Themes und Plugins, die sich mit wenig Aufwand installieren lassen. Sie verändern das Aussehen der damit betriebenen Website oder ergänzen sie um neue Funktionalitäten – von einfachen Kontaktformularen über Tag-Clouds, neuen Kommentarfeatures bis hin zum spezialisierten Komplettumbau in eine Fotoplattform oder ein Social Network.

Freilich kann auch selbst Hand am Code angelegt werden, um die Homepage der eigenen Träume zu verwirklichen, wenngleich bei Veränderungen von Kernkomponenten ein Update auf neuere Versionen nicht mehr ohne Weiteres möglich ist.

Leichter Einstieg

Trotz aller Möglichkeiten ist das System, einmal eingerichtet, recht einfach gehalten. Lediglich die Grundeinstellungen benötigen etwas Beschäftigung, danach erfolgt das Anlegen neuer Beiträge mit zwei Mausklicks. Zum Verfassen von Texten bietet WordPress einen WYSIWYG-Editor ("What You See Is What You Get") nebst Vorschaufunktion, Revisionskontrolle und automatischer Zwischenspeicherung.

Selbstverständlich werden auch organisatorische Basics beherrscht, eigene Einträge lassen sich in Kategorien einteilen und mit Schlagworten versehen. Wer sein Blog unterwegs pflegen will, kann das über eine eigene App tun.

Kritik

Nach zehn Jahren Entwicklung gibt es in der regen Community des Projekts aber auch kritische Stimmen. Einige Nutzer vermissen den "Blog only"-Fokus und bemängeln, dass mittlerweile viel mehr Funktionalitäten geliefert werden, als sie ein Blog benötigen würde. Immerhin wurzelt WordPress in den Anfängen des sogenannten "Web 2.0", in der die User erstmals die Mittel bekamen, einfach selbst Inhalte im Netz zu publizieren. (gpi, derStandard.at, 28.05.2013)

  • Nicht nur, aber auch Katzenblogs: WordPress begleitet und befeuert das Zeitalter des Usercontents seit zehn Jahren.
    foto: the cool cat blog

    Nicht nur, aber auch Katzenblogs: WordPress begleitet und befeuert das Zeitalter des Usercontents seit zehn Jahren.

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