Die Top-Tüftler von morgen

Ansichtssache28. Mai 2013, 14:04
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Wer sind zurzeit die vielversprechendsten Jungforscher, die aufsteigenden Sterne am Forschungshimmel?

DER STANDARD bat etablierte Forscher, die in den vergangenen Jahren mit der höchsten Auszeichnung für Wissenschafter in Österreich, dem Wittgensteinpreis, ausgezeichnet wurden, einen ihrer Favoriten zu nennen. Wir befragten die jungen Talente nach ihrer Laufbahn, ihren Projekten und Visionen

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foto: standard/corn

Renée Schroeder wählt:

Julius Brennecke, Molekularbiologe im Reich der Fliegen

Manchem wird die Liebe zu einer bestimmten Wissenschaft geradezu in die Wiege gelegt. Bei Julius Brennecke war es die Biologie. Der 1975 in München geborene Deutsche wuchs in Jasberg, einem Weiler in der Nähe der oberbayerischen Kurstadt Bad Tölz, auf. Wälder und Wiesen überall, eine Kindheit auf dem Lande, und die Mutter war zudem noch Biologin. Nach der Schule wollte Brennecke Biochemie studieren, doch dafür reichten seine Noten nicht aus - die meisten Hochschulen hatten für dieses Fach einen sehr hohen Numerus clausus angesetzt. So zog es Brennecke an die Universität Heidelberg, um sich dort für Biologie zu immatrikulieren. Eine gute Entscheidung, wie er im Nachhinein betont. "Das Schöne am Biologiestudium ist, dass es eine sehr breite Ausbildung ist." Und somit eine hervorragende Grundlage für die spätere akademische Laufbahn.

Die erste große Chance bot sich Brennecke noch während seiner Studienzeit. Durch einen Freund der Familie bekam er Gelegenheit, an einem Feldforschungsprojekt des US-Evolutionsexperten Dave Anderson auf den Galapagosinseln teilzunehmen. Weitere Forschungsreisen führten den jungen Wissenschafter später in die ostafrikanische Serengeti und nochmals auf die Galapagosinseln. Trotzdem entschied er sich für die Fachrichtung Molekularbiologie. "Es ist eine besondere Faszination, biologische Phänomene an molekulare Strukturen anknüpfen zu können."

Brennecke verfasste seine Diplomarbeit im Jahr 2000 am renommierten European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und promovierte später dort zum Thema MicroRNAs in Drosophila. Die winzigen Taufliegen sind für ihn noch heute ein hervorragender Modellorganismus für das Untersuchen genetischer Prozesse. Nach einem Forschungsaufenthalt an den Cold Spring Harbor Laboratories in den USA wurde Brennecke 2009 als leitender Forscher ans Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien berufen. Sein Thema: piRNA, eine Art genetisches Immunsystem. Der Campus sei eine der besten molekularbiologischen Forschungsumgebungen in Europa, betont er. "Es gibt nur wenige Plätze, wo man so gut eine neue Arbeitsgruppe aufbauen kann." (deswa)


  • Renée Schroeder, geb. 1953, forscht am Department für Biochemie der Max F. Perutz Laboratories in Wien.
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